Bu., München

Bis hierher und nicht weiter“, sagte der Herr barsch und zeichnet eine unsichtbare Linie in den Gang vor dem D-Zug-Abteil. Der Herr war von der Arbeitsverwaltung und brachte Italiener von München nach Hannover. „Die ausländischen Arbeiter haben sich in unmittelbarer Nähe ihrer Abteile aufzuhalten“, lautete seine Vorschrift, und daran hielt er sich.

Der Mann aus La Spezia, mit dem ich mich eben unterhalten hatte und der nun ein Fenster weiter rechts hinausschauen soll, protestierte: „Ich bin doch kein Sklave, kein Gefangener“, rief er empört, und mit Würde erklärte er: „Ich bin ein freier Mann. Das ist ja, das sind ja...“ – er fand die deutschen Worte nicht gleich, aber dann fiel es ihm doch ein, das böse Wort von den „Nazi-Methoden“.

„Muß das sein?“ fragte ich später den Beamten. „Was für einen Eindruck bekommen die ausländischen Arbeiter von unserer Gastfreundschaft? Wir rufen sie ins Land – und dann schirmen wir sie ab.“

Man habe – leider – schlechte Erfahrungen gemacht, wurde mir erklärt. Andere Fahrgäste seien oft gestört, belästigt, ja bestohlen worden. „Einer Dame haben sie neulich das ganze Gepäck weggenommen; sie betteln im Speisewagen um Zigaretten und so weiter... Ich fahre dauernd mit Ausländern, da passiert immer etwas! Und an mir bleibt es hängen.“

Gastfreundschaft für italienische Arbeiter? Das hat der Beamte wohl nie gelernt. Wie sollte er auch! Es steht ja nicht in der Vorschrift.