Prozeß um das Buch „Schizophrenic Germany“

G. Z., Frankfurt

Der Frankfurter Rechtsanwalt Walter Bergemann schickte am 21. September einen Rundbrief an eine Reihe von Zeitungsredaktionen, in dem er auf einen Termin am 29. September vor der 3. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt (Main) hinwies. Ein „grundlegender Rechtsstreit über die Grenzen der Pressefreiheit“ werde da ausgefochten. Die Verhandlung zeigte jedoch, daß es in dem Verfahren des Autors von „Schizophrenie Germany“, John Dornberg, gegen den Chefredakteur und den Verlag der in Köln erscheinenden „Deutschen Zeitung“ um mehr geht als die Pressefreiheit. Ein Stück amerikanischer Innenpolitik wurde vor der Frankfurter Kammer ausgebreitet.

Ein Machwerk

Die „Deutsche Zeitung“ hatte sich in ihrer Ausgabe vom 27. Juli in großer Aufmachung mit dem Buch des amerikanischen Staatsbürgers John Dornberg beschäftigt und war zu dem Ergebnis gekommen, hier würden deutsche Interessen verletzt. Es sei ein deutschfeindliches Machwerk und ein schlechtes noch dazu. Gleichzeitig hielt man es für notwendig, die Persönlichkeit des Verfassers zu würdigen, wobei in epischer Breite über dessen Mitwirkung bei der Attacke von „Overseas Weekly“ – Dornberg ist Chef vom Dienst und Nachrichtenredakteur in dieser Zeitung – gegen den ehemaligen Kommandeur der in Bayern stationierten 24. US-Infanterie-Division, Generalmajor Edwin Walker‚ berichtet wurde. Mit dieser Verquickung von „Literarischem und Persönlichem“ sehen Dornberg und sein Anwalt die Grenzen der zulässigen Buchkritik weit überschritten und klagen deshalb auf Widerruf und Unterlassung der Weiterverbreitung.

Der Autor Dornberg, im Gerichtssaal von Journalisten befragt, warum er auf den Artikel der „Deutschen Zeitung“ so scharf reagierte und vor den Kadi gezogen sei, gab die Auskunft: „Der General Walker zieht mit der ‚Deutschen Zeitung durch die Lande, um zu zeigen, was das für Leute sind, die ihn von seinem Heidelberger Kommandoposten abgeschossen und in eine bedeutungslose Verwaltungsstelle in den Vereinigten Staaten verbannt haben. Kommunisten seien es, die einem aufrechten Anti-Kommunisten das Genick brechen wollten.“ Ja, Dörnberg hegt sogar insgeheim den Verdacht, daß der Artikel in der „Deutschen Zeitung“ inspiriert wurde, und zwar von „rechten Militärkreisen“ in den USA. Und seine Sorge ist es – und der eigentliche Grund des Prozessierens –, daß er durch die Darstellung der „Deutschen Zeitung“ in seiner Heimat als „Kommunist und Handlanger Moskaus“ angesehen werden könnte. Diese Befürchtung erscheint berechtigt, denn in der Besprechung seines Buches, das der „Christian Science Monitor“ ganz im Gegensatz zur „Deutschen Zeitung“ das „deutschfreundlichste Buch der letzten Jahre nannte“, wurde hervorgehoben, Dornberg habe bei den Kapiteln über Oberländer und Globke die Propagandathesen der Sowjetzone benutzt.

Für die Richter, die nicht über die Streitigkeiten „rechter Militärkreise“ mit US-Zeitungsredakteuren zu entscheiden haben, begannen die Schwierigkeiten damit, von dem Autor zu erfahren, was er sich eigentlich unter dem Buchtitel vorgestellt habe. Sie hielten Dornberg vor, daß Schizophrenie doch eine schwere und unheilbare Geisteskrankheit sei und im Zusammenhang mit „Deutschland“ benutzt, eine Herabwürdigung bedeute. Sie stießen sich schließlich auch daran, daß „Schizophrenic Germany“ vom amerikanischen Macmillan-Verlag in einer etwas fragwürdigen Form auf den Markt gebracht worden war. In Hakenkreuz-geschmückten Inseraten war die alarmierende Frage gestellt worden, ob in der Bundesrepublik ein „Viertes Reich“ im Entstehen sei. Dazu erklärte Dornberg: „Ich habe sofort gegen diese Werbung protestiert, weil damit ein völlig falsches Bild meines Buches entsteht.“