Es wird uns zuweilen in dieser Zeitung, und es wird mir persönlich, der Vorwurf gemacht (den ich mit Fassung zu tragen gedenke), daß wir mit der „Gruppe 47“, mit der „intellektuellen Linken“, mit den „Avantgardisten“ mehr als unbedingt notwendig sympathisierten.

Ich weiß nicht, wieviel „notwendig“ ist. Ich weiß nur, daß ich selber der Überzeugung huldige, diesem immer durch Extremismen gefährdeten Lande tut vor allem eines not: eine radikale Mitte.

Und ich weiß, daß wir jüngst, als eine „Soziologie der deutschen Schriftsteller“ vorbereitet werden sollte, nichts unversucht gelassen haben, auch „Vertreter der Rechten“ zu finden. (Die zahlreichen An- und Anführungszeichen erklären sich daraus, daß uns allen nicht mehr recht wohl ist bei dem Versuch, politische Meinungen nach den Sitzordnungen britischer Parlamente zu klassifizieren.)

Der Versuch schlug fehl. Keiner von denen, die wir als mögliche Protagonisten der „Rechten“ in unser Programm aufgenommen hatten, schien bereit, seine Rolle zu spielen: Carl Zuckmayer nicht und nicht Gerd Gaiser, weder Ernst Jünger noch – ja, wer käme eigentlich noch in Frage? Rudolf Krämer-Badoni wahrscheinlich, oder Curt Hohoff oder Hans-Egon Holthusen oder Friedrich Sieburg? Wir haben die Genannten (wie unsere Leser wissen: nicht ganz ohne Erfolg) gebeten, als Gast-Kritiker der ZEIT zu sagen, was sie zu sagen haben. Als Schriftsteller in jenem Sinne, der hierzulande gern andächtig mit „Dichter“ artikuliert wird, kamen sie wohl weniger in Frage.

Ehe wir nicht eines Besseren, nein, wir sollten wohl doch lieber sagen: eines anderen belehrt werden, kommen wir nicht umhin festzustellen: die deutsche Nachkriegsliteratur findet, wenn sie sich an der Sitzordnung alter britischer Parlamente orientieren wollte, offenbar auf der Linken statt.

Jeder Widerspruch jedes deutschen Schriftstellers wird an dieser Stelle abgedruckt. Leo