Moise Tschombe, der Präsident der Kongo-Provinz Katanga, hat im Kampf gegen die Vereinten Nationen eine Schlacht gewonnen. Nach wochenlangen Verhandlungen mit dem UN-Beauftragten Mahmoud Khiari wurde jetzt in Elisabethville ein Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnet. Tschombe hat sich darin verpflichtet, die von ihm gefangengesetzten 182 irischen UN-Soldaten freizulassen. Khiari mußte dafür Katangas Recht anerkennen, sich gegen jeden Angriff von außen zur Wehr zu setzen.

Am 12. September waren die Blauhelme der Vereinten Nationen in die abgefallene Kongo-Provinz einmarschiert, um sie – wenn nötig mit Waffengewalt – unter die Hoheit der kongolesischen Zentralregierung von Leopoldville zu zwingen. Auch dieser „Einigungsversuch“ der UN ist gescheitert. Khiari besiegelte diese Erkenntnis mit seiner Unterschrift unter die Forderungen Tschombes.

Jeder hat nunmehr freie Hand, jederzeit einen neuen Krieg auszulösen: Cyrille Adoula, der über das Nachgeben Khiaris verärgerte Premier der Zentralregierung, dessen Soldaten nur auf den Befehl zur Besetzung Katangas warten, aber auch Moise Tschombe, der nach dem letzten Fiasko der Vereinten Nationen siegestrunken geworden ist und nicht daran denkt, sich freiwillig seinen Gegenspielern in Leopoldville zu übergeben.

Bei der Einigung der übrigen Kongo-Provinzen hatte die UN eine glückliche Hand bewiesen. Wie sie es nun aber verhindern will, daß sich das Wetterleuchten in Katanga doch noch in einem Gewitter entlädt, daß die gegenseitigen Drohungen zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Kongolesen führen, das ist eine Rechnung mit mehreren Unbekannten. dst