Als Spareinlagen dürfen nur Geldbeträge angenommen werden, die der Ansammlung oder Anlage von Vermögen dienen“, bestimmt das neue Kreditwesen-Gesetz. Mit dieser Definition, die durch eine Reihe von Einzelbestimmungen noch schärfer abgegrenzt ist, wurden die Sparkonten von den Geldkonten, die dem Zahlungsverkehr dienen, deutlich geschieden.

Das ist von einiger praktischer Bedeutung. Bisher kam der Sparzins bei jeder Neuregelung der Zinssätze mit „ins Gerede“. Man bezeichnete ihn sogar als den Eckzins, weil man um ihn nicht herumkam, wenn es galt, aus kreditpolitischen Erwägungen die Soll- und Habenzinsen der Kreditinstitute neu festzusetzen. Obwohl ihrem inneren Wesen nach Sparguthaben dem Kapitalmarktbereich, d. h. den langfristigen Verpflichtungen zuzurechnen sind, mußten die Bankenaufsichtsbehörden so tun, als handele es sich bei diesen Einlagen um Geld, über das kurzfristig, je nach Konjunktur- und Kreditlage, verfügt wird. Die Großkundschaft der Banken konnte nämlich kurzfristig in Spareinlagen ausweichen, um dort einen etwas besseren Zins zu erhalten. Das ließ es den Bankenaufsichtsbehörden als unzweckmäßig erscheinen, den Sparzins den Sätzen anzupassen, die am Kapitalmarkt für festverzinsliche Rentenwerte Geltung haben. Über all dies gab es nach jeder Diskontänderung zwischen Banken und Sparkassen ein langes Palaver, von dessen Unfruchtbarkeit jedermann überzeugt war. Jetzt, nach der Neuregelung, hofft man zuversichtlich, daß damit nun Schluß ist und der Sparer das erhält, was er sich wünscht, nämlich Konstanz beim Geldwert und Zins.

Man darf jedenfalls gewiß sein, daß die Aufsichtsbehörden in Zukunft sorgfältig darüber wachen werden, daß die Spareinlagen ihrem Charakter nicht entfremdet werden, und das ist auch notwendig, wenn der kleine Sparer weiterhin bei der Stange gehalten werden soll.

Der Spareinlagenbestand betrug Ende August dieses Jahres 57,5 Mrd. DM; davon entfielen 36,5 Mrd. DM auf die Sparkassen, also die Institute, bei denen die große Masse der Bevölkerung ihre Sparkonten unterhält. Nun zeigt sich bei genauerem Hinsehen, daß der Spareinlagen-Zuwachs in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 6,3 vH geringer war als in der Vergleichszeit des Vorjahres. Die Lastschriften weisen, zwar nicht der absoluten Höhe, sondern der Tendenz nach, ein stärkeres Ansteigen als die Gutschriften auf. Im August haben die Berliner Ereignisse die Sparfreudigkeit gemindert und im April mußten VW-Aktien bezahlt werden, was zu Lasten der Sparkonten ging. Aber auch von diesen Sondermonaten abgesehen, zeigt sich beim Konten-Sparen eine gewisse Verlangsamungstendenz. Nach den Berechnungen der Bundesbank lag die Sparquote zwar im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 9,3 vH weit höher als in den Vorjahren. Es wird also weiterhin gespart, nur geht das Geld nicht mehr im gleichen Maße wie bisher zur Sparkasse.

Das ist ein natürlicher Vorgang; das Kontensparen ist nur die erste Stufe der Geld- und Kapitalrücklage. Bei steigender Sparfähigkeit wendet sich der Sparer anderen Anlageformen zu, er spart in Wertpapieren und Grundbesitz. Die Konten bauen sich dann tendenziell oben schneller ab als sie unten nachwachsen.

Die Sparkassen müssen darum um Sparer-Nachwuchs besorgt sein, und sie wissen aus Erfahrung, daß der Mann, der sich das erste Sparbuch zulegt, mißtrauisch und überdies konservativ ist. Auf Zinsänderungen reagiert er im allgemeinen sauer, weil er die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge nicht kennt, und hierin nur irgendwelche Manipulationen der Sparkassenleitung wittert. Schon allein aus diesem Grund ist es gut, wenn man den Sparkonten wieder ihren ursprünglichen Charakter als Vermögensanlage des einfachen Mannes zurückgibt, die nicht nur gut, sondern auch konstant verzinst wird. Wer damit nicht zufrieden ist, bevorzugt sowieso andere Sparformen. W. R.