Die originalsten Autoren der neuesten Zeit sind es nicht deswegen, weil sie etwas Neues hervorbringen, sondern allein, weil sie fähig sind, dergleichen Dinge zu sagen, als wenn sie vorher niemals gesagt worden wären. Goethe

Büchner-Preis 1961

Am vergangenen Sonnabend wurde in Darmstadt! einer der wenigen deutschen Literaturpreise vergeben, die sich unbestrittenes Prestige erworben haben: der Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Diesjähriger Preisträger ist Hans Erich Nossack, der gerade einen neuen Roman veröffentlichte, sein neuntes Buch, seitdem er nach dem Kriege zu schreiben begann: „Nach dem letzten Aufstand“,

Armin T. Wegener

Armin T. Wegener kann in diesen Tagen den! 75. Geburtstag feiern. Kaum ein anderer deutscher Schriftsteller hat so oft „im Sturm der Zeiten“ gestanden wie er, der Weltreisende, der sich überall für die Unterdrückten einsetzte. Er war Zeuge, als die Türken 1919 die Armenier in die Wüste trieben, und sein leidenschaftlicher Protest fand ein weltweites Echo. Sein Protest gegen Hitlers „Juden-Politik“ trug ihm Gefängnis und Konzentrationslager ein. Nach dem Kriege meldete sich der Totgeglaubte aus Italien, wo er eine alte Windmühle auf der Feuerinsel Stromboli bewohnt. Wegeners Reiseschilderungen dürfen als klassisch gelten. Unter seinen Romanen ist „Die Mühle Gottes“, eine Schilderung aus seiner schlesischen Heimat, am meisten bekanntgeworden.

Neue Leser gewinnen

Ein für den innerdeutschen Literaturbetrieb hoffnungsvolles Zeichen kommt uns aus München. In der Wochenendausgabe der „Abendzeitung“ erscheinen dort Interviews mit deutschen Schriftstellern, die hoch über dem Niveau dessen liegen, was der normale Leser von einer normalen Abendzeitung erwarten würde, und dennoch spannend zu lesen sind; Interviews mit Martin Walser (am 15. Juli), Walter Jens (am 29. Juli), Walter Höllerer (am 19. August), Günter Graß (am 26. August), Hans Magnus Enzensberger (am 9. September), Wolfdietrich Schnurre (am 23. September), Eckart Kroneberg (am 7. Oktober). Als Verfasser zeichnet Hans F. Nöhbauer. Daß diese (Franzosen und Engländern selbstverständliche) Aufnahme anspruchsvoller Literatur auch in populäreren Blättern gerade in München zuerst versucht wird, entspricht durchaus unseren Erwartungen.