Von Dieter Sauberzweig

Am Samstag wird in einem Festakt das vierzigjährige Bestehen des „Deutschen Studentenwerks“ begangen. Eigentlich hätte dieser „Geburtstag“ schon Anfang dieses Jahres gefeiert werden müssen.

Am 19. Februar 1921 wurde nämlich in Tübingen die „Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft e. V.“ gegründet. Darin drückte sich der Wille von Studenten aus, sich selber zu helfen.

Aber man wollte kein Fürsorgewesen. Der Gedanke der Selbsthilfe stand für die Studenten im Vordergrund. Über 60 000 Studenten haben sich allein in den Jahren 1921/23 in Bergwerken, in Fabriken und in der Landwirtschaft die Mittel zum Studium verdient. Diesem Geist entsprach es auch, die „Wirtschaftshilfe“ auf der Idee der Selbstverwaltung aufzubauen und jeden Einfluß von außen und jede Bürokratisierung abzulehnen. Studenten und Dozenten wirkten hier in gemeinsamer Arbeit mit Regierungsstellen, Industriellen und Akademikern aus allen Berufen zusammen. Diesem erweiterten Status civitatis academiae trug man Rechnung, als man die „Wirtschaftshilfe“ 1929 in „Deutsches Studentenwerk e. V.“ umbenannte. Wie die Hochschule blieb auch das Studentenwerk nicht vor dem Zugriff des nationalsozialistischen Staates bewahrt. Viele alte Mitarbeiter schieden aus; andere blieben, um in der „Reichsanstalt Reichsstudentenwerk“ in „planmäßiger Arbeit, die sozialpolitischen Forderungen nationalsozialistischer Weltanschauung“ zu verwirklichen.

1945 knüpfte man an den Geist der zwanziger Jahre wieder an. Es gab manche. Parallelen: eine heimkehrende Kriegsgeneration, die äußere Not, die geistige Offenheit. Die Studentenwerke an den einzelnen Hochschulen begannen mit dem Aufbau. 1950 kam der „Verband deutscher Studentenwerke“ zustande.

Erst 1956 traten zentrale Aufgaben stärker in den Vordergrund: Bund und Länder bereiteten die Allgemeine Studentenförderung nach dem Honnefer Modell vor. Die Verteilung und Verwaltung der Stipendienmittel wurden den Studentenwerken übertragen. Nun konstituierte sich erneut das „Deutsche. Studentenwerk e. V.“, das „unter Achtung der Selbständigkeit Und Unabhängigkeit der örtlichen Studentenwerke“ deren gemeinsame Aufgaben wahrnimmt. Seitdem sind aus der Kasse des Bundes rund 150 Millionen Mark als Stipendien und 30 Millionen Mark als Darlehen über das Studentenwerk an die Studenten verteilt worden.

Unklar oder, zumindest unbefriedigend ist die Stellung des Studentenwerks innerhalb der Hochschule. Das hat historische Gründe. Die „Wirtschaftskörper“, die nach dem Ersten Weltkrieg an den Hochschulen entstanden, sah man als eine vorübergehende Einrichtung an; sie sollten den Studenten über die schwere Zeit hinweghelfen. Man wählte daher zumeist die Rechtsform des eingetragenen Vereins. Studenten, Dozenten und Freunde der Hochschulen konnten auf diese Weise am besten gleichberechtigt zusammenarbeiten. Außerdem blieb man dadurch von Staat und Hochschule unabhängig, ein Vorzug, der der studentischen Initiative zugute kam und die Arbeit vor bürokratischer Enge bewahrte.