München

Kaum ist der neue Bundestag zusammengetreten, wird ihm bereits ein interessantes Thema für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß angeboten: Sind die Gelder, die von Bonn aus der Bayerischen Filiale der „Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise“ (AdK) zuflössen, zweckentfremdet – „nicht titelgerecht“ – verwendet worden?

Wert auf Klärung dieser Frage legt der bisherige Geschäftsführer der AdK in München, Dr. Erich Kaufmann, der in der vergangenen Woche von der AdK-Zentrale in Bad Godesberg seine fristlose Entlassung erhielt. Zwangsläufig wird sich daraufhin auch das Münchner Arbeitsgericht mit dem Verhältnis zwischen AdK und Dr. Kaufmann befassen müssen.

Dieses Verhältnis war lange Zeit gut gewesen. 1954 beschloß die AdK-Bundeszentrale, eine bayerische Niederlassung zu eröffnen. Erich Kaufmann wurde als Landesbeauftragter ausersehen; er siedelte nach München über, wechselte von der CDU in die CSU und gründete die „Bayerische Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise e. V.“, deren Satzung das widerspiegelt, was den Bonner Gründern der AdK damals als Ziel galt:

„Der Verein hat den Zweck, den demokratischen Gedanken im Volk zu verankern und unsere Mitbürger zu politischem Verantwortungsbewußtsein und Mitarbeit heranzuziehen. Um diesen Zweck zu erreichen, veranstaltet er Versammlungen, Tagungen und Lehrgänge, fördert alle Bestrebungen, die mit obiger Zielsetzung übereinstimmen und sucht Fühlungnahme mit Institutionen gleicher oder ähnlicher Art. Der Verein ist überparteilich und interkonfessionell.“

Geld für seine Arbeit stand Kaufmann zur Verfügung. Alljährlich erhielt er Beträge bis zu fast 200 000 Mark, aus denen die Gehälter der Angestellten, die Unkosten des Verwaltungsapparates und die Rednerhonorare bestritten wurden. Etwa 40 000 Mark stammten aus dem sogenannten Reptilienfond (Titel 300) des Bundeskanzleramtes, ein weiterer, sehr beachtlicher Teil, kam vom Bundesverteidigungsministerium (Titel 306); in den kleinen Rest teilten sich andere Bonner Ministerien.

Kaufmann schickte seine Redner durch die Bayerischen Lande, wobei er darauf achtete, daß das Verhältnis ihrer politischen Bekenntnisse etwa den Proportionen der Parteien im Bayerischen Landtag entsprach, veranstaltete Versammlungen und Tagungen und kümmerte sich darum, daß die Vereinssatzung erfüllt wurde.