Seinen überdurchschnittlichen Bierdurst läßt sich der Bundesbürger etwas kosten. Fast sechs Milliarden DM wurden im vergangenen Jahr hierzulande für Bier verausgabt. Die nächstplacierten auf der Liste der bevorzugten Getränke mußten sich bereits mit erheblich kleineren Beträgen bescheiden. Auf Milch entfielen 3,9, auf Bohnenkaffee 2,7 und auf Spirituosen 2,4 Milliarden DM. So imponierend sich diese Milliarden auch ausnehmen: von den gesamten Verbrauchsausgaben von 158 Milliarden DM absorbierten die Getränke 1960 lediglich 11,8 vH.

Mit einem Durchschnittsverbrauch von 95 Litern je Kopf der Bevölkerung ist die Bundesrepublik jedoch eine der bierfreudigsten Nationen. Nur in Belgien/Luxemburg steht das „kühle Blonde“ in noch höherer Gunst. Unsere Nachbarn tranken 1960 im Durchschnitt immerhin 113 Liter. Während sich aber bei den Belgiern der Verbrauch bereits seit Jahren bei etwa 115 Litern bewegt, ist in der Bundesrepublik der Bierdurst in den letzten Jahren ständig gewachsen. Im Jahre 1950 waren es beispielsweise erst 36 Liter, 1955 bereits 67 und 1960 besagte 95 Liter. Der Werbeslogan „Durst wird durch Bier erst schön“ hat offenbar ins volle getroffen.

Nun ist es freilich nicht so, als habe der Deutsche seine Vorliebe für das Bier erst in den Nachkriegsjahren entdeckt. In der sogenannten guten, alten Zeit war man dem traditionellen Gebräu aus Gerste und Hopfen noch mehr zugetan: In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg lag der Durchschnittsverbrauch in Deutschland fast durchweg über 100 Liter, um die Jahrhundertwende gar bei 118 Litern. Diese Marke übertreffen dem neuesten statistischen Bericht des Deutschen Brauer-Bundes zufolge heute nur die Bayern und – die Bremer. Sie waren 1960 mit 168 beziehungsweise 127 Litern noch bessere Biertrinker als die Belgier. Die Niedersachsen erreichten dagegen mit 44 Litern nicht einmal die Hälfte des Bundesdurchschnitts. Am wenigsten hält man jedoch im äußersten Norden Deutschlands vom Bier: in Schleswig-Holstein stellte sich der Pro-Kopf-Verbrauch im vergangenen Jahr auf ganze 19 Liter. Der Slogan „Zwei Worte: ein Bier“ wird dort offensichtlich noch sehr wörtlich genommen. lz