Glatt über die Bühne, wie schon seit Jahren nicht mehr, ging die Hauptversammlung der Bayerischen Motorenwerke AG, München, die den Jahresabschluß 1960 zu verabschieden hatte. Nach jahrelangen Oppositionen und manchmal tumultartigen Diskussionen erfolgten diesmal alle Beschlüsse einstimmig. Die wenigen Aktionäre, die sich zu Wort meldeten, sparten nicht mit Lobesworten für die Arbeit der Verwaltung, obwohl noch keine Dividende, sondern eine weitere Durststrecke in Aussicht gestellt wurde. Das Wort „Sanierung“ allerdings hat die Gesellschaft, wie der zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Semler ausführte, aus ihrem Vokabularium gestrichen. An die Stelle von Semler tritt nun Prof. Dr. Dr. A. Wagner, Aschau bei Prien, der inzwischen zum Aufsichtsratvorsitzenden gewählt worden ist. Stellvertreter ist wie bisher Rechtsanwalt G. Wilcke, Frankfurt. Ferner gehören dem Aufsichtsrat an: Dr. F. Mathern, Frankfurt, der den seinerzeitigen Sanierungsvorschlag der Daimler Benz AG zu Fall gebracht hatte, und der neue Großaktionär Dr. J. Koerfer, Bern, für den 4,45 Mill. DM Aktienkapital eingetragen waren. Von derzeit rund 60,29 Mill. DM Aktienkapital waren mit 43,81 Mill. DM knapp 73 vH vertreten. Der Anteil der Quandtgruppe war nicht erkennbar.

Vorstandsmitglied Dr. E. Kämpfer, der das Produktionsprogramm umriß, konnte von einer gesicherten Finanzierungsbasis berichten. Bei den Verhandlungen über den notwendigen Betriebsmittelbedarf strebte BMW eine längere Bindung der Kreditinstitute über ein Konsortium an. In den letzten Jahren hatte man zwar von sieben Banken bis zu 23 Mill. DM Betriebsmittelkredite erhalten, wobei jedoch mit allen Banken einzeln verhandelt werden mußte. Es ging daher nicht nur um eine Aufstockung bestehender Kredite, sondern um eine Neuregelung, wobei BMW unter Verhandlungsführung der Deutschen Bank bei einem ziemlich großen Kreis beteiligter Banken „Verständnis“ fand und eine befriedigende Einigung erzielen konnte. Die Fertigung des Mittelwagens macht eine Erhöhung der auf 23 Mill. DM begrenzten Bankkredite erforderlich. Für den im ersten Halbjahr 1963 errechneten Spitzenbedarf von rund 45 Mill. DM ist die Aufstockung um 22 Mill. DM gesichert. Dabei sieht die vertraglich noch zu fixierende Regelung vor, daß von den 45 Mill. DM Barkrediten 25 Mill. DM bis 1964 fest belassen werden, die Laufzeiten der weiteren Kredite enden für 5 Mill. DM Mitte 1965, für weitere 5 Mill. DM Ende 1966 und für 10 Mill. DM Ende 1971. Die Tilgung setzt also erst ein, wenn der neue Mittelklassewagen voll zum Erfolg beitragen kann. 1962 wird der Umsatz von 1961 – in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hat er sich gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 13 auf 186 Mill. DM erhöht – kaum überschritten werden. Die Produktion des Mittelklassewagens fällt noch nicht ins Gewicht. Erst 1963 rechnet Kämpfer mit einer Steigerung auf etwa 400 Mill. DM und einer entsprechenden Ertragsentwicklung.

Die BMW-Triebwerkbau GmbH München-Allach, an der BMW noch mit 50 vH beteiligt ist, erwartet für 1961 einen Umsatz von 45 Mill. DM, der sich 1962 voraussichtlich verdreifachen und 1963 etwa 200 Mill. DM erreichen dürfte. Die Beschäftigung ist, wie auf Anfrage mitgeteilt wurde, bis 1965 gesichert. Bis dahin werden 900 Mill. DM Gesamtumsatz erwartet. Die Vorbedingungen für eine Fusion mit der MAN-Turbomotoren GmbH seien noch nicht erfüllt. Doch könne der Zusammenschluß früher als erwartet – in der letzten Hauptversammlung hatte man von vier Jahren gesprochen – kommen.

Im laufenden Jahr hielt sich der Ertrag nach Kämpfers Worten bei BMW in den ersten acht Monaten etwa auf Vorjahreshöhe, wobei wegfallende Anlaufkosten für den BMW 700 durch Erlösminderungen vor allem im Exportgeschäft kompensiert wurden. Am Umsatz in den ersten neun Monaten von 186 Mill. DM war der BMW 700 mit 59 vH beteiligt. Der Export erhöhte sich von 30 auf 39 TH. Bis Ende September stieg der Motorradumsatz auf 13,6 (11,5) Mill. DM, der großen Wagen von 9 auf 13,6 Mill. DM. Die Isetta, die noch Nutzen abwerfe, will man im Programm behalten. t. r.