Die Zeiten, in denen sich die Damen nur flüsternd über die „Unaussprechlichen“ verständigten, in denen ein junges Mädchen im Wäschegeschäft nur mit niedergeschlagenen Augen die Anfangsbuchstaben eines intimen Kleidungsstückes stammelte – sie sind längst vorbei. Heute spricht man frei und offen darüber. Jedenfalls taten das die Herren auf dem 1. Internationalen Wäsche- und Miedersalon, der am vergangenen Wochenende in der Kölner Messe stattfand. Einziges Zugeständnis an die Intimität der Kleidungsstücke war die Bezeichnung der Messe als „Salon“. Gesprächsgegenstand und Handelsobjekt der 243 Firmen aus 13 Ländern waren Dessous – Mieder und Negliges – aus Spitzen und Tüll, aus Kunststoffen und Seide, in Weiß, Perlrosé, Zartblau, Schwarz. In den Pavillons saßen vorwiegend Herren und redeten fachmännisch über Paßformen und Weiten. „Wissen Sie“, meinte der Direktor einer großen deutschen Firma, „wir haben es ja schon immer viel besser gewußt, was den Frauen steht. Hersteller dieser Sachen sind Männer.“ Der Direktor wandte sich einer Einkäuferin zu, die ein schwarz-rotes Corselet in der Hand hielt: „Das legen Sie lieber weg. Da paßt das ‚Körbchen‘ nicht richtig.“

Mit diesem „Körbchen“ wollen die Belgier auf dem gemeinsamen Markt reüssieren! „Das ist der Haken bei den Deutschen“, sagte der Direktor, „die Körbchen passen nicht. Wir vereinen französischen Chic mit guten Paßformen. Französische Büstenhalter haben wir schon für die belgischen, holländischen und luxemburgischen Frauen abgewandelt.“ Und er kniff ein Auge zu: „Den Deutschen müßten sie eigentlich auch passen.“

Die französischen Hersteller auf der Kölner Messe hatten es nicht nötig, ihre Dessous in das rechte Licht zu rücken. Die elegantesten und dezentesten Kreationen fand man bei ihnen. Die Franzosen zwinkerten auch nicht mit den Augen, sie sagten nur: „Wir wenden uns an die elegante Frau.“

Die Fabrikanten der „verspielten“ Unterwäsche klagten allgemein über Absatzschwierigkeiten in Norddeutschland. „Die Hamburger und Bremer sind zu prüde, und in die kleineren Städte gehen wir erst gar nicht“, sagte einer.

Viel Zurückhaltung legte man sich in Köln nicht auf. Es geht ums Geschäft in diesem „Salon“. Die Hersteller der Bundesrepublik haben die leistungsfähigste Miederindustrie auf dem Kontinent aufgebaut. Bei einem Glas Sekt, ein Mannequin, nur mit Büstenhalter und Mieder bekleidet, neben uns. erklärte der Leiter einer großen deutschen Firma selbstbewußt: „Frankreich ist längst nicht mehr tonangebend. Und England? Sehen Sie sich die englischen Autos an – ähnlich sind die Büstenhalter...“ Das Mannequin lächelte und drehte uns seine Rückseite zu. Der Direktor legte mir jovial die Hand auf die Schulter und lachte derb: „Das wissen wir doch alle: Der Kampf um den Mann ist hart. Die Frauen nützen jede Ausrüstung. Das ist unsere Chance.“ N. G.