In der Bonner Arithmetik zählt Qualität gering

Von Robert Strobel

Bonn, im Oktober

Der Bundeskanzler soll noch in diesen Tagen gewählt werden, vielleicht schon am Freitag, spätestens aber am Montag. Indes tauchen bei den Verhandlungen der beiden Koalitionspartner immer neue Schwierigkeiten auf, und auf beiden Seiten gibt es viel Ärger.

Am vorigen Samstag brachte Dr. Mende mit Unterstützung von Reinhold Maier den Hauptausschuß der FDP nach einer elfstündigen Redeschlacht endlich dazu, einer Koalition unter Dr. Adenauer zuzustimmen. Leicht war es nicht, die Rebellen zu besänftigen. Sie wollten ein Opfer haben. Schließlich kam man auf den Einfall, daß Dr. von Brentano, der Außenminister, dieses Opfer sein sollte.

Durch Erfahrung gewitzigt

Aber die Parteispitze war durch manche, erst kurz zurückliegende Erfahrung gewitzigt. Sie kleidete ihre Forderung in ein so faltenreiches Sprachgewand, daß dahinter auch etwas anderes verborgen sein konnte. Diese Vorsicht erwies sich als äußerst nützlich. Denn alsbald war aus dem Palais Schaumburg zu vernehmen, daß man dort an eine Ablösung Brentanos nicht denke. Da aber konnte die FDP auf das Kommunique ihres Hauptausschusses verweisen, in welchem es heißt, es gehe ihr vor allem um die "Gewährleistung eines hinreichenden Einflusses auf die Außenpolitik".