Von Jürgen Werner

Schlechte Nachrichten gab es in den letzten Wochen für die deutschen Fußballfans. Viele ihrer vergötterten Lieblinge wollen der Heimat den Rücken kehren und sich im Ausland, die Beine vergolden lassen, nachdem sie hierzulande nur versilbert werden. Einige waren schon vorher davongezogen. Helmuth Rahn, das enfant terrible des deutschen Fußballs, ging nach Holland, Waldner nach Norditalien, und Szymaniak lockte der Traum vom Reichtum bis an die fernen Gestade Siziliens.

Nun tauchen sie schon wieder auf – die „Aufkäufer“, Manager, hart und gerissen, von einem Typ, wie ihn der Amateursport nicht kennt. Sie boten den Spielern Schecks an, deren Beträge in die Hunderttausende gingen. Weitere Nationalspieler, wie der Augsburger Haller und Klaus Stürmer vom Hamburger Sportverein, unterzeichneten Verträge für ausländische Klubs. Der Ausverkauf war in vollem Gange.

Da aber legten die regionalen Fußballverbände ihr Veto ein, nachdem die Heimatvereine ihre Stars schon „freigegeben“ hatten, der Vertrag also in „beiderseitigem Einverständnis“ gelöst worden war. Wie kommt es dazu, daß die deutschen Clubs auf ihre Kassenmagneten so ohne weiteres verzichten? Ganz einfach: der Stammverein erhält eine sehr hohe „Ablösungsumme“, die das „Handgeld“ des Spielers noch erheblich übersteigt, meist im Verhältnis 60 zu 40 Prozent.

Die Meinung, daß die deutschen Oberligavereine im Gelde schwimmen, ist falsch. Nur einige wenige besonders erfolgreiche Klubs müssen sich mit solchen „Sorgen“ herumschlagen. Ist nämlich zuviel Geld in der Vereinskasse, so drohen Entzug der anerkannten Gemeinnützigkeit und Steuerabgaben, wie sie jeder Gewerbebetrieb leisten muß. Hier profitieren die Amateursportabteilungen dieser Vereine von den Einnahmen der Vertragsspieler. Aber die Masse der Vereine kennt solchen Überfluß nicht, schon gar nicht jene, deren Elf nur die untere Tabellenhälfte ziert. Sie sind oft in finanzieller Bedrängnis. In Hamburg ist es sogar vorgekommen, daß der große Bruder an der Tabellenspitze, der HSV, den Abstiegskandidaten Concordia vor dem Bankrott bewahren mußte.

Auch der B. C. Augsburg hat Schulden; er wäre sie auf einen Schlag los, wenn die Ablösungs-Summe für seinen Star Haller von den Italienern auf den Tisch der Geschäftsstelle gelegt würde. Aber bisher hat der Landesverband ja noch die Freigabe verweigert. Aber ist er juristisch hierzu überhaupt berechtigt? Das ist die Frage, die wohl bald in einem Modellprozeß entschieden wird. Der Verein Stürmers allerdings braucht das Geld nicht. Hier kann man sich noch eine großzügige Haltung leisten:

Wer gehen will, soll gehen!