Der deutsche Schriftsteller von heute raucht viel, trinkt wenig, hält sich ziemlich streng an nüchterne Arbeitszeiten und den eigenen Schreibtisch als Arbeitsplatz.

Die physisch-psychische Verfassung, in der ein Schriftsteller heute ans Werk geht, ist jedem Rauschzustand so fern wie möglich. Die stimulierende, Alltags-Hemmungen beseitigende Kraft des Alkohols etwa, die einem Goethe so wichtig war und ohne die ein E. Th. A. Hoffmann gar nicht hätte schreiben können, wird heute eher verachtet als herbeigewünscht.

Falls jemand ihrer dennoch bedarf, bekennt er sich nicht dazu. Jedenfalls ist dies eines der klarsten Ergebnisse unserer Schriftsteller-Befragung: Von den zwanzig Schriftstellern, die die deutsche Literatur von heute repräsentieren können (denn wenn man noch zehn hinzunähme, würde das am Ergebnis gar nichts ändern), sagte nur ein einziger, daß er bei der Arbeit auch alkoholische Getränke zu sich nehme: nämlich Erich Kästner, der – wie der andere Senior auf unserer Liste der Befragten, Carl Zuckmayer – überhaupt in manchem auf recht bezeichnende Weise aus dem Rahmen fällt.

Kästner scheidet ganz klar zwischen zwei Arbeitsprozessen, zu verschiedener Zeit, an verschiedenen Orten: Konstruktionsnotizen, Einfälle, Formulierungen nachts in Nachtlokalen, also unter fremden Leuten – dazu trinkt er Whisky; Ausarbeitung tags an breiter Fensterbank im Wohnzimmer, mit Blick in Garten und Wiese – dazu trinkt er Bier.

Von vier weiteren werden alkoholische Getränke immerhin noch erwähnt, jedoch mit sehr starken Einschränkungen: „Whisky – aber nur einen zwischen 18.00 und 18.30 Uhr“ (Hildesheimer); „erst nach der Arbeit, oder wenn der Tag fürs Schreiben verloren ist“ (Koeppen); „zunächst für die ersten drei bis vier Stunden, Nes-Kaffee – dann, falls das ‚Pensum‘ Weiterarbeit erheischt, Fusel“ (Arno Schmidt); „Schnaps in den seltenen Phasen der Euphorie – dann kommt der Schnaps freilich von der Euphorie, nicht umgekehrt“ (Schnabel).

Wo alkoholische Enthaltsamkeit geübt wird, stehen Tee und Kaffee auf dem Schreibtisch – dem eigenen Schreibtisch, der (ein zweites vorherrschendes Charakteristikum) von zwanzig befragten Schriftstellern sechzehn unentbehrliches oder doch sehr erwünschtes Arbeitsrequisit ist.

Sie lieben den eigenen Schreibtisch