BERLIN (Schloß Charlottenburg); „Sturm“

1910 gründete Herwarth Walden in Berlin die Zeitschrift „Der Sturm“, 1912 die „Sturm“-Galerie, die bis 1932, bis Walden nach Rußland ging, existierte und mindestens während der ersten sechs oder acht Jahre ein Forum für die deutsche und europäische Avantgarde darstellte. In der großen Marc, Macke, Jawlensky), von den Futuristen wie Boccioni, den Konstruktivisten, Orphisten, Dadaisten – der „Sturm“ war auf keine spezielle Richtung eingeschworen. Neben den Namen, die inzwischen in die Kunstgeschichte eingegangen sind, die unbekannten, halb oder ganz vergessenen: aus der Frühzeit Albert Bloch und Maria Uhden, aus dem Nachkriegs-„Sturm“ Buchholz, Molzahn, Nebel. Die Ausstellung manifestiert ein großes Kapitel aus der revolutionären Epoche der modernen Kunst und zugleich auch die Rolle, die damals Berlin als künstlerischer Treffpunkt und Umschlagplatz stellte. – Die Ausstellung dauert bis zum 19. November.

Oskar Kokoschka: Karl Kraus

„Sfurm“-Refrospektive, die Professor Leopold Reidemeister mit Hilfe vieler Museen, Privatsammler und einstiger „Sturm“-Mitglieder aufgebaut hat, sind über 200 Gemälde aus den Jahren 1912 bis 1932 versammelt, die meisten waren einmal bei Walden ausgestellt. Darunter zwei Walden-Porträfs, das eine 1912 von Kokoschka gemalt, das andere 1923 von Robert Delaunay. Außerdem viel von Chagall, vom „Blauen Reiter“ (Kandinsky, MÜNCHEN (Haus der Kunst): „Kunst- und Antiquitätenmesse“

Die Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse, die jetzt – vom 21. Oktober bis zum 4. November – zum sechsten Male in München veranstaltet wird, ist zu einem wichtigen Umschlagplatz für den ganzen deutschen Kunsthandel geworden. Diesmal sind 92 Firmen, einige von internationalem Rang, beteiligt, die Hälfte aus München. Es gibt europäische, asiatische, afrikanische Kunst aller Zeiten, Möbel (Rokoko und das neuerdings beliebte Empire, auch Bauernmöbel), Teppiche, Porzellan, Gold- und Silberarbeiten. Und es gibt nicht nur Spitzenstücke: einen Rubens, einen Hondecoeter, eine Nofretete in Kalkstein aus Teil El-Amarna, sondern auch die kleinen und billigen Objekte. München ist lange nicht so exklusiv wie Delft und Florenz, hier kann auch der Liebhaber mit wenig Geld erfolgreich auf die Suche gehen.

DÜSSELDORF (Galerie Manfred Sfrake): „Cocteau“

Jean Cocteau wäre sicherlich nicht einverstanden, wenn man ihn unter die „malenden Dichter“ einordnete, die kürzlich in Zürich ausgestellt waren. Er ist ein Professioneller, nach seiner Ansicht und wohl auch nach Ansicht der Pariser Galerien, die ihn regelmäßig ausstellen. Die Düsseldorfer Galerie zeigt eine Auswahl seiner Pastelle und Zeichnungen sowie bemalte Kieselsteine, die sich durch ihre kostbaren Rahmen als „Bilder“ ausweisen. Seine Zeichnungen, vor allem wenn er eigene Werke – illustriert, Orphée oder Bacchus, haben unbestreitbar eigenen Stil, zum mindesten eigene Note. Aber Cocteaus Linie ist seltsam starr, unlebendig, ohne den Charme, die Sensibilität, die man sich von dem Dichter erwartet. Trotzdem, Cocteau wäre nicht Cocteau, wenn er sich nicht auf jedem künstlerischen Terrain bewegen würde, als Könner, als Dilettant, als enfant terrible. g. s.