Seit Jahren beansprucht nunmehr die Strukturkrise des Steinkohlenbergbaus den ersten Platz in offiziellen und inoffiziellen Kohle- und Energie-Gesprächen. Seit Jahren liefern sie das Leitmotiv für die Vortragsveranstaltungen des alljährlich um diese Zeit in Essen stattfindenden Steinkohlentages. Auch in diesem Jahre gaben die seit 1958 anhaltenden Schwierigkeiten der Zechenunternehmen dem Chef des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau, Bergassessor Dr. Helmuth Burckhardt, das Stichwort, als er vor der Ruhrprominenz seinen traditionellen Lagebericht erstattete. Und im Saalbergbau zu Essen wurde es erneut deutlich, wie wenig Varianten das Thema Krise in den vier Jahren, in welchen es diskutiert wird, im Grunde aufzuweisen hat.

Die Ursachen für die Sorgen der Zechen sind die gleichen geblieben. „Die Verdrängung der Kohle auf dem deutschen Markt durch das Heizöl“, so sagte Burckhardt, „geht in verstärktem Tempo weiter, und die Entwicklung des Jahres 1961 wird in den folgenden Jahren nach Lage der Dinge anhalten und sich weiter verschärfen. Das Jahr 1962 dürfte schwierige Probleme bringen.“

Und wie die Diagnose, so hat sich auch die Therapie des Bergbaus im Laufe der Krisenjahre wenig verändert: Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch eigene – und keineswegs geringe – Anstrengung der Zechen und ein steter – nicht immer vergeblicher – Appell an den Vater Staat, „mit ordnender Hand“ in den Energiemarkt einzugreifen.

Die Rationalisierungserfolge, die der Bergbau auf das Konto Eigenanstrengung setzen kann, kommen vor allem in einer beachtlichen Steigerung der Produktivität im Bergbau zum Ausdruck, Die Schichtleistung konnte immerhin seit 1957 um einen früher nicht für möglich gehaltenen Steigerungssatz von 31 vH verbessert werden. Mechanisierung, Konzentration innerhalb der einzelnen Gruppen und der Zusammenschluß verschiedener Schachtanlagen sowie die Stillegung schlechter Zechen haben das Unmögliche zuwege gebracht. Obwohl die Zechenleitungen in Essen nachdrücklich aufgefordert wurden, in den betriebsinternen Bemühungen nicht nachzulassen, hat der Verbandsvorsitzende des Ruhrbergbaus diesmal – deutlicher als bisher – kein Hehl daraus gemacht, daß vom Bergbau selbst nun keine weiteren Wunder mehr zu erwarten seien. Der Glanz des Bekenntnisses zur „Anpassung“ an die veränderten Gegebenheiten auf dem deutschen Energiemarkt scheint bei den Zechen nachhaltig verblaßt zu sein. Nach Meinung des Bergbaus wird der Wettbewerb zwischen Heizöl und Kohle in der Bundesrepublik einseitig als Verdrängungswettbewerb geführt, dem der Bergbau mit Rationalisierung nicht begegnen könne.

Das Schwergewicht der Maßnahmen, die den Bergbau aus der Misere herausführen sollen, wird also nach Wunsch und Willen des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau künftig in Bonn liegen. Dieser Kurs ist zwar nicht grundsätzlich neu, wird aber offenbar jetzt intensiver verfolgt. Wie der Zechenverbandsvorsitzende erklärte, rankt sich eine neue Hoffnung an die neue Bundesregierung. I. N.