Haben Sie denn nichts zu trinken?“, werde ich von dem Herrn gefragt, der mich soeben in eine Ecke eingekesselt hat, und schon trinke ich die zweite, aber neue Hälfte eines wäßrigen Martinis. Den Herrn werde ich los, indem ich einer Bekannten zurufe: „Hallo, Editha, kennst du Frau Sommer?“ „Ja – Nein.“ „Peter, dich habe ich ja schon ages nicht gesehen.“ Man dünkt sich diskret und hat gleich eine neue Gruppe erreicht, ein peinlicher Moment, denn ein nettes weibliches Wesen sagt: „Wie schön, daß ich Sie wieder einmal treffe, was Sie damals über den störrischen Charakter der Dackel sagten, hat mich derartig beeindruckt, daß ich mir auch einen kaufte. Wie lange dauerte es bei Ihrem, bis er stubenrein wurde?“

Mein Gedächtnis tickt wie ein alter Wecker aus Blech. Wer, wer kann sie wohl sein? Wann und wo habe ich über die Dackel gesprochen? „Wissen Sie“, fährt sie fort, während ich drei Reihen echter Perlen an ihrem Hals zähle und, unterhalb der Perlen, diskret das fünfte Dior-Modell des Abends bemerke, „Sie haben mir dann noch Ihre Veterinärin, Fräulein Dr. S., empfohlen, eine reizende, aber etwas strenge

„Ja“, sage ich, da es Sitte ist, niemanden ausreden zu lassen, „wissen Sie, die S., die züchtet jetzt Bedlington-Terrier, werden wohl große Mode, nach den Pudeln.“

Einer, den ich kenne, mischt sich ein und sagt: „Wie geht’s dir, hast du nichts zu trinken, ich mußte neulich an dich denken, als in Aix-les-Bains die Cézannes gestohlen wurden.“ – Ich sage: „Was habe ich damit zu tun?“

Doch nie werde ich genau etwas erfahren, weder den Namen der Dackeldame noch die Kombination, in welcher ich mich selbst mit dem Diebstahl der Cézannes befinde. Und wenn ich es genau bedenke, so habe ich zwei „Dry Martinis“ getrunken, aus ungefähr fünf Gläsern, ich stand fast zwei Stunden auf hohen Absätzen, und selbst der Flirt von zehn Miunten mit dem fremden Herrn aus Schwaben, der mich auf seine Jagd einlud, nahm ein bitteres Ende, weil mir der fremde Herr von einem – mir bekannten – hochgestellten Bankier weggeschnappt wurde.

Bleiben Sie auch zur Suppe?

Was aber geschieht nach der Cocktailparty? Manchmal bilden sich Gruppen und verabreden sich in einem Restaurant, um, eher lustlos, etwas zu essen. Die sehr ordentlichen Gäste gehen nach Hause und machen sich dort noch ein Leberwurstbrot. Die Gastgeber haben zu einem Cocktail eingeladen, aber keinesfalls zu einer Mahlzeit. Die Chefs der Etablissements, die Drinks, kleine Happen und Gläser lieferten, packen Punkt neun zusammen, und die beiden Mädchen, die man sich von Freunden zum Servieren geliehen hat, sind auch nicht gewillt, den Abend arbeitenderweise auszudehnen.