Der Geldumlauf wird durch die Deutsche Bundesbank geregelt. Zu den kreditpolitischen Instrumenten, die ihr dafür zur Verfügung stehen, gehört die Offenmarktpolitik. Um sie zu praktizieren, verkauft die Bundesbank Schatzwechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes am Markt. Durch den Verkauf oder Rückkauf solcher Geldmarktpapiere kann die Bundesbank die Liquidität der deutschen Wirtschaft, je nachdem, wie es die Lage erfordert, verbessern oder einengen. Steuerungsmittel sind die Abgabesätze und die auf ihnen aufgebauten Rücknahmesätze der Deutschen Bundesbank. Sind diese Sätze im Vergleich zu anderen Geldmarktanlagen hoch, dann gibt die Bundesbank den Banken damit einen Anreiz, weitere Titel zu kaufen und damit Geld währungspolitisch stillzulegen; im anderen Falle ist es umgekehrt.

Zur Zeit ist die Politik der Deutschen Bundesbank darauf gerichtet, die Bankenliquidität zu verbessern. Sie hat deshalb die Abgabesätze mehrmals, für Schatzwechsel erneut in der vergangenen Woche, um ein Achtel vH, gesenkt. Schatzwechsel mit einer Laufzeit bis zu 90 Tagen bringen den Banken nur noch 2 vH Zinsen. Die Bundesbank stellt damit den Geschäftsbanken, sofern sich diese dazu entschließen, Geldmarktpapiere zurückzugeben, Notenbankgeld zu einem Satz zur Verfügung, der weit unter dem Diskont liegt. Am deutschen Geldmarkt kostet Dreimonatsgeld z. Z. weit mehr als 3 vH.

Die deutschen Sätze sind so niedrig gehalten, daß für die Geschäftsbanken die Anlage ihrer flüssigen Mittel im Ausland, wo Schatzwechsel mit gleicher Laufzeit mehr bringen – vor allem in London und New York – ein gutes Geschäft ist. Auch das führt zu einer Stillegung von D-Mark, denn die entsprechenden Valuten müssen gegen D-Mark gekauft werden. Die Zahlungsbilanz wird also entlastet. Genau darauf kommt es der Bundesbank an.

Die Geschäftsbanken haben vor dem großen September-Steuertermin ihre Auslandsgelder zurückgeholt und offenbar noch nicht wieder dort angelegt. Das möchte aber die Bundesbank mit ihren jüngsten Maßnahmen erreichen. Es soll unter keinen Umständen zu einer neuen Aktivierung der Zahlungsbilanz auch von dieser Seite kommen. Ob das Ziel erreicht wird, läßt sich noch nicht erkennen. Die Bereitschaft der Geschäftsbanken, erneut Geld im Ausland anzulegen, ist unterschiedlich. Man wird abwarten müssen.

Natürlich kann die Bundesbank den jetzt eingeschlagenen Weg nicht bis ins Uferlose verfolgen. Es käme sonst zu einem allzu starken Auseinanderklaffen zwischen der offiziellen Bankrate und den Sätzen am offenen Markt. Ein gewisses Divergieren der Zinssätze nimmt die Bundesbank nicht nur in Kauf; es ist dies sogar von ihr gewollt. Auf dem Diskont ist das zwischen den Banken und der Bankenkundschaft bestehende Zinsverhältnis aufgebaut. Er wirkt also primär innerwirtschaftlich. Die Abgabesätze sind dagegen außenwirtschaftlich orientiert. Wird die Diskrepanz aber zu groß – bisher ist das nicht der Fall –, dann könnte das zu einer übermäßigen Ausdehnung der Bankenliquidität führen, die auch innerwirtschaftliche Folgen hätte.

Die Offenmarktpolitik hat also ihre Grenzen. Wo sie liegen, entscheidet letzten Endes der Federal Reserve Board in New York, dessen Entscheidungen sich auch hier wieder, da wir ein System konvertibler Währungen haben, auf die deutsche Kreditpolitik auswirken. W.R.