Erstmals in der Geschichte der deutschen Lebensversicherung hat eine einzelne Gesellschaft, die Allianz Lebensversicherungs-AG, Stuttgart, einen Bestand von 10 Mrd. DM Versicherungssumme erreicht. Die Vermögensanlagen, die am 30. Juni 1961 2,44 Mrd. DM betrugen, haben inzwischen die Grenze von 2,5 Mrd. DM überschritten.

Die deutsche Lebensversicherung steht jetzt mit einem Bestand von 70 Mrd. DM an vierter Stelle in der Welt. Das Neugeschäft im laufenden Jahr brachte eine Zunahme von 18 vH. Bei der Allianz Leben war der Zuwachs noch etwas stärker. Trotz der politischen Spannungen der letzten Monate war kein Nachlassen des Wachstums festzustellen. Auch der Rückgang der spekulativen Tendenzen am Aktienmarkt dürfte, wie Dr. Müller, Vorstandsvorsitzender, erklärte, die Rückkehr zu den „soliden“ Sparformen begünstigt haben. Bei stark steigenden Aktienkursen habe man bisher immer einen geringeren Zugang bei der Lebensversicherung beobachtet. Der Marktanteil der Allianz am Geschäft der deutschen Lebensversicherung wurde mit etwa 14,5 vH beziffert.

Die Geschäftsausweitung hat eine Erhöhung des Aktienkapitals notwendig gemacht. Die Allianz hatte vor dem Kriegsende bei einem wesentlich kleineren Geschäftsumfang ein Grundkapital von 20 Mill. RM, während es zur Zeit 12,25 Mill. DM beträgt. Eine Aufstockung auf 22 Mill. DM ist vorgesehen, wobei die Erhöhung in zwei Phasen erfolgen wird. Zunächst erfolgt eine echte Kapitalerhöhung um 3,15 auf 15,4 Mill. DM, vobei neue Aktien über je 700 DM 4:1 zu 330 vH ausgegeben werden sollen. Hiermit werden der Gesellschaft gleichzeitig die Mittel zugeführt, um im Frühjahr 1962, wahrscheinlich anläßlich der Jahreshauptversammlung, das Grundkapital aus gesellschaftseigenen Mitteln im Verhältnis 7:3 um weitere 6,6 auf 22 Mill. DM aufzustocken. Unter Berücksichtigung dieser Gratisaufstockung beträgt der Bezugskurs praktisch nur 105 vH.

Die komplizierte Transaktion ist dadurch notwendig geworden, daß der § 8 des Aktiengesetzes die Ausgabe von Aktien auf volle 100 DM verlangt. Die Gesellschaft hat zur Zeit 100 000 Aktien über je 70 DM und weitere 25 000 Aktien über je 210 DM. Die Nennbeträge der neuen Aktien müssen durch 70 teilbar sein, weil nach der Satzung der Gesellschaft je 70 DM Aktienbesitz eine Stimme gewährt und weil auch nur unter dieser Voraussetzung das Bezugsrecht einfach gestaltet werden kann. Hinzu kommt, daß die Einführung eines zweiten Börsenkurses notwendig würde, wenn die Nennbeträge der neuen Aktien nicht auf ein Vielfaches von 70 DM gestellt werden.

In der ersten Phase der Kapitalerhöhung werden daher 4500 Aktien über je 700 DM mit Gewinnanteilberechtigung ab 1962 ausgegeben. Die für die Ausübung des Bezugsrechtes erforderlichen 70-DM-Stücke werden von den Großaktionären, die zur Zeit über 70 vH des Kapitals der Allianz besitzen im Tausch gegen eine entsprechende Anzahl neuer 70-DM-Stücke zur Verfügung gestellt, um auch den Kleinaktionären die Ausübung des mittelbaren Bezugsrechts zu ermöglichen. Nach der Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln werden die Aktien dann jeweils über 100, 300 und 1000 DM lauten. Eine außerordentliche Hauptversammlung, die über die echte Kapitalerhöhung beschließen soll, wird auf den 17. November einberufen. Ga.