Die Pariser Börse will an eine ernste Besserung der außenpolitischen Situation noch nicht glauben. Inzwischen haben sich auch andere Sorgen, innerpolitischer Natur, eingestellt. Finanzminister Baumgartner, dessen Rücktritt spätestens gegen Ende des Jahres als sicher gilt, hat zwar bei der Budgetdebatte beruhigende Erklärungen über die gegenwärtige wirtschaftliche und finanzielle Situation abgegeben, aber eindringlich davor gewarnt, das Unkostenniveau durch übertriebene Lohnforderungen nicht in einem Ausmaß zu erhöhen, das nicht mehr in gesundem Verhältnis zum Wachstum der Produktivität stände. Das Gespenst einer schleichenden Inflation ist damit an die Wand gemalt. Die Börse hat diese Warnung begriffen. Aber trotz aller Geldflüssigkeit kann sie sich noch nicht wieder auf das berüchtigte „Sachwertdenken“ umstellen. Vorsicht scheint ihr dennoch geboten. Um sich gegen eventuell drohende Inflationsgefahren abzuschirmen, beginnt sie nunmehr, südafrikanische Goldminen und in geringerem Umfange bekannte internationale Werte zu kaufen.

Insgesamt betrachtet scheint sich ein Wendepunkt anzukündigen. Wenn die Kurse infolge der allgemeinen Geschäftsstille ins Leere abzusinken drohen, machen sich regelmäßig Interventionsversuche bemerkbar. Das Anlagepublikum wendet sich wieder an Banken und Makler, die in ihrer Beratung indessen weiter vorsichtig bleiben. Die Geschäftsergebnisse der Unternehmen für 1961 werden, das scheint schon jetzt festzustehen, besser als für 1960 ausfallen. Die Umstellung der Wirtschaft auf die schärferen Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EWG und den Auslandsmärkten wird energisch vorangetrieben. Die von uns seit Monaten angekündigte Fusion der beiden Schappe-Gesellschaften in Basel und Lyon ist nunmehr bekanntgegeben worden. Sie stellt sehr wahrscheinlich nur eine Etappe in der Konzentration der Textilfaserindustrie dar, die durch den Obergang der Aktiven von Celtex auf Rhône-Poulenc begann. Im Frühjahr dürften weitere Zusammenschlüsse folgen. RETLAW