Hallo, Taxi – Ruinöser Wettbewerb und schutzwürdiges Gemeinschaftsgut Psychose am Steuer

Von Nina Grunenberg

Gegenwärtig wird in Hamburg ein Prozeß gegen drei Taxichaulffeure vorbereitet, die einen Fahrgast wegen Zahlungsschwierigkeiten rücksichtslos zusammengeschlagen haben. Es geht die Rede, vor allem ahnungslose Ausländer würden von den Fahrern „übers Ohr gehauen“. – Mit 16 Messerstichen wurde am Mittwoch vergangener Woche der Frankfurter Fahrer Franz Lieb umgebracht. Seit 1945 sind damit im Bundesgebiet 159 Taxichauffeure überfallen, 68 von ihnen ermordet worden. Es geht die Rede, die Zahl der „Gangster“ unter den Taxipassagieren nähme ebenfalls zu.

Es ist gewiß nicht immer einfach, dann ein Taxi zu bekommen, wenn man es braucht. Es gibt dafür drei Möglichkeiten: Man stellt sich an die Straße, winkt und ruft: „Taxi!“ Man kann es wenigstens versuchen. Daß daraufhin wirklich ein Taxi an den Bordstein gerollt kommt, ist nur bei den schnell reagierenden Berliner Taxifahrern sicher. Sicherer ist, man telephoniert oder geht gleich zum nächsten Taxistand. Wenn es nicht gerade regnet, oder Hauptverkehrszeit ist, steht dort auch eines.

Legen sich die Fahrer, wenn sie das Notwendigste für den nächsten Tag verdient haben, auf die faule Haut? Ist dieses Gewerbe so wenig einträglich, daß keiner fahren will?

Die „Schuld“, daß man oft lange nach einem Taxi suchen muß, liegt nicht an den Fahrern. Ein Beispiel: Für die fast zwei Millionen Einwohner der Stadt Hamburg gibt es heute 2430 Taxen und 400 Taxistände. In ein Taxi müßten sich, grob gerechnet, 900 Hamburger teilen. Zwar fehlt es nicht an neuen Bewerbern um eine Droschkenkonzession – zur Zeit liegen in Hamburg 500 Anträge für 800 Taxis vor –, aber die Behörde geizt damit. Sie möchte erst die „wirtschaftliche Situation des gesamten Gewerbes überprüfen“. Denn Taxis sind – laut Bundesverfassungsgericht – ein „schutzwürdiges Gemeinschaftsgut“, das durch „ruinösen Wettbewerb“ gefährdet werden kann. Und manche Taxifahrer sind der Ansicht, es gebe jetzt schon mehr Droschken als gut sei.

Deshalb begeistern sich die Chauffeure für einen anderen Vorschlag: Könnten sie nicht, wie ihre Londoner Kollegen, auf und ab fahren, um so für die Fahrgäste leichter erreichbar zu sein – statt sich an einen bestimmten Platz zu stellen und die Kunden zu sich kommen zu lassen? Dagegen spricht, daß bei zehnstündigem Dienst die Pause am Stand nötig ist.