Von Heinz Michaels

Die attraktive Vertreterin des „Mannes von der Straße“, Frau Helga Merkel von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände schien offensichtlich verwirrt. „Wie stellen Sie sich das nun vor“, fragte sie. „Die einen machen Public Relations für eine Sache und die anderen dagegen. Wie soll der Mann von der Straße als der ich hier angekündigt bin, mit diesen Einflüssen fertig werden und sich ein Bild machen können?“

Ähnlich verwirrt verließen viele Besucher den kontrastierend in tiefem Blau und hellem Holz gehaltenen Vortragssaal im Düsseldorfer Haus der Wissenschaften. Sie hatten sich von dem Forumgespräch eine Klärung jenes schillernden Begriffs Public Relations erhofft, mit dem heute das Bemühen um die öffentliche Meinung umschrieben wird. Gesprächsleiter Werner Höfer war es jedoch nur mit Frühschoppen-Routine gelungen, zum Schluß die Meinungsunterschiede mit einigen wenig sagenden Floskeln zu vertuschen. „Tut Gutes und wir reden darüber“, gab er den Wirtschaftlern mit auf den Weg.

Auf die Frage der Verbraucherin Merkel und ihre Zusatzfrage, ob eine Public-Relations-Agentur denn jeden Auftrag annehme, hatte Dr. Walter Scheele von der gastgebenden Werbeagentur Dr. Hegemann GmbH sofort eine Antwort bei der Hand: „Man kann nicht jedes Produkt und jede Idee verkaufen. Blödsinn läßt sich nicht verkaufen.“ Scheele war es aber auch, der Public Relations ganz nüchtern als ein Geschäft kennzeichnete. „Sympathie der Umwelt zu gewinnen, ist keine letzte unternehmerische Zielsetzung. Das Ziel des Unternehmers heißt Gewinn.“ Deshalbhabe Public-Relations-Arbeit auch etwas mit geschäftlichem Erfolg zu tun.

Wie so etwas aussieht, schilderte temperamentvoll der Schweizer Werbemanager Dr. Rudolf Farner an einem Beispiel. Als 1946 die Schweizer Uhrenwerbung in den USA nicht vorankam, fanden die Motivforscher heraus, daß dies auf Antipathien der Amerikaner gegen die Schweizer zurückzuführen sei. „Wir stoppten die Verkaufswerbung“, erzählte Farner und setzten Public-Relations-Aktionen als korrektes Element ein.“ Man lud Amerikaner in die Schweiz ein, damit sie zu Hause von ihren Eindrücken berichteten und merzte gleichzeitig die Fehler aus, die man beim Uhrenverkauf in den USA gemacht hatte, indem man nicht für Reparaturwerkstätten und Kundendienststellen gesorgt hatte. Und als man glaubte, all die Mißhelligkeiten ausgeräumt zu haben, setzte die Verkaufswerbung wieder ein. Fast unnötig zu sagen, daß der Verkauf nun vorankam.

So also verkauft Farner Schweizer Uhren in den USA, mit den Public Relations in der einen und der Werbung in der anderen Hand – wie andere Werbeagenturen andere Produkte auch. In seinem sehr instruktiven Referat hatte er berichtet, daß seine Werbeagentur und seine Public-Relations-Agentur sogar räumlich voneinander getrennt seien, nicht nur ideenmäßig und in der Aufgabenteilung. Sein Beispiel aber zeigt Public Relations als psychologische Vorbereitung einer Verkaufswerbung.

Diese Verknüpfung von Public Relations und Werbung, die Angst vor „geheimen Verführern“ die durch psychologische Hintertüren Konsumenten gewinnen wollen, war die Ursache für die Skepsis, die Frau Merkel und der Journalist Paul Wilhelm Wenger immer wieder den Public-Relations-Leuten und ihren Methoden entgegenbrachten. Dabei hatte Dr. Albert Oeckl, der Leiter der Public-Relations-Abteilung bei der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik AG und gleichzeitig Vorsitzender der Deutschen Public-Relations-Gesellschaft sich um eine klare Abgrenzung gegen die Werbung bemüht. „Public Relations“, so definierte er, „sind das planmäßige und unermüdliche Bemühen um Verstehen, Sympathie und Vertrauen zwischen dem Auftraggeber (im Wirtschaftsbereich also des Unternehmens) und der Öffentlichkeit.“