In den vergangenen Jahren, meine verehrten Leser, haben wir uns verschiedentlich mit Offerten schweizerischer Finanzfirmen beschäftigen müssen, die sich der wiederbelebten Spekulationsfreudigkeit deutscher Anlegerkreise bedienen wollten. Leider war nicht alles Gold, was hochpoliert angeboten wurde. Von Zeit zu Zeit erhalte ich heute noch Briefe, in denen angefragt wird, wie man das eine oder andere Papier – erworben auf Grund von Angeboten meist völlig unbekannter „Finanzfirmen“ – wieder veräußern kann. Da es sich sehr oft um obskure kanadische Aktien handelte, die manchen Leuten förmlich (auch am Telephon) aufgeschwatzt worden sind, findet man in Europa natürlich kaum Interessenten. Doch auch nicht an den kanadischen Börsen, wo man auf Anfrage für solche Aktien nur Briefkurse erfahren kann. Ich will nun keineswegs behaupten, daß man an „Außenseitern“ des Aktienmarktes nicht auch einmal Geld verdienen kann. Doch rate ich dazu, Offerten, die von unbekannten Finanzfirmen stammen und in denen kaum bekannte Papiere zum Kauf angeboten werden, recht gründlich zu prüfen.

Zu Beginn dieses Jahres forderte die Penombra S. A., Genf, deutsche Interessenten auf, rasch Aktien der Telycolour Ltd., St. Helier (Jersey), zu zeichnen, „da nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung stand“. Man sprach damals davon, daß eine Börseneinführung in London erwogen werde. Als die ZEIT dann nachfaßte und genaueres über die Börseneinführung wissen wollte, hieß es schlicht, man werde den günstigsten Zeitpunkt dafür abwarten.

Bei der Telycolour Ltd. handelt es sich um eine Gesellschaft, von der behauptet wird, daß sie Inhaberin von Patenten sei, mit deren Hilfe eine Bildröhre hergestellt werden kann, die dann sowohl den einwandfreien Empfang farbiger Fernsehsendungen als auch den herkömmlichen Schwarz-Weiß-Empfang ermöglicht. Natürlich ist Telycolour nicht die einzige Gesellschaft, die sich mit der technischen Lösung der Farbfernsehprobleme befaßt. Dem Vernehmen nach soll es in England bereits eine Konkurrenzröhre geben.

In diesen Tagen wendet sich nun eine andere schweizerische Finanzfirma an die Öffentlichkeit mit dem Angebot, Telycolour-Aktien zum Preis von 10,– DM je Aktie (1 Shilling) zu übernehmen. Penombra hatte sie im Frühjahr noch zu 7,50 DM angeboten. Die Fiweka AG, Genf –, so heißt der neue Anbieter – räumt ein, daß die Aktie im Frühjahr noch wesentlich billiger erhältlich war, „doch zogen wir es vor, die Angelegenheit weiter zu beobachten, und sind nach reiflicher Überlegung der ausschlaggebenden Fakten zu der Überzeugung gekommen, daß dieser Wert noch vor Ablauf des Jahres sensationelle Kursanstiege erleben dürfte“. Unklar bleibt allerdings, ob und wo sich die Telycolour-Aktien wieder veräußern lassen.

Bei der Absatz Werbung der Telycolour-Aktien ist die Fiweka recht großzügig. Um zu zeigen, welche Gewinne sich erzielen lassen, veröffentlicht Fiweka in ihrem Prospekt einen Artikel der New York Harald Tribune vom November 1958 (!). Darin wird festgestellt, daß die Aktienbesitzer der englischen kommerziellen Fernsehgesellschaft in drei Jahren 22 350 vH an ihren Papieren verdient haben. Das ist eine bekannte Tatsache. Doch muß man sich wohl fragen, was dieser Hinweis mit der Telycolour Ltd. zu tun hat. Auf der einen Seite handelt es sich um einen Röhrenhersteller in spe und auf der anderen um ein Unternehmen, das Programme ausstrahlt und Werbezeit verkauft.

Fiweka sagt: Unsere Empfehlung stützt sich auf folgende Argumente:

  • Bei über 16 Millionen Fernsehapparaten, die heute in England im Gebrauch sind, ist vorauszusehen, daß jährlich für mindestens 2 Millionen Geräte die Telycolour-Farbröhren verkauft werden. Hieraus resultieren für die Gesellschaft enorme und jährlich anwachsende Gewinne.