Von Hans Platschek

Der 38jährige Hans Platschek ist als Interpret seiner Generation in den bildenden Künsten dadurch besonders geeignet, daß er selber als Maler international anerkannt worden ist (zum Beispiel durch den Preis Ardea auf der 5. Biennal in Sao Paulo), daß er jedoch auch schon früh als reflektierender Betrachter moderner Kunst hervortrat (vor allem durch sein Buch „Neue Figurationen).

Wir sind nie fähig gewesen, moderne Malerei als Schauspiel zu sehen; Kunst zog eher wie ein Fließband an uns vorbei, mit Formen und Figuren beladen, von denen man einige übersehen, andere abheben und ins Atelier davontragen konnte.

Ich entisnne mich, daß man eine Zeitlang ernsthaft über Foujita diskutierte; kein Maler jedoch kam auf die Idee, die halb östlichen, halb mondänen Figuren des Japaners auch nur einen Augenblick als Rohstoff anzusehen.

Ein krasses Beispiel, gewiß – aber Dufy oder Derain, Marc oder Soutine traten stets als Hersteller von Formen oder Formtypen auf, die als Gegengift für eine Realität, mit der wir anfangs nicht fertigwerden konnten, nicht anwendbar waren. Wir bestaunten fügsam Mondrian, Malewitsch und Kandinsky, der uns vorab in seiner geometrischen Phase vorgeführt wurde, begriffen jedoch nicht recht, warum die Fensterrahmen oder das schwarze Viereck, das nachts gläsern in diesen Rahmen hing, nun die ärgerliche Unrast wirkungslos machen sollte, die tagsüber hinter dem Fenster wimmelte.

Man redete von Picasso – jetzt, anläßlich seines 80. Geburtstages – nicht guten Gewissens. Er tyrannisierte unseren Blick mit eigensinnigen Hinweisen auf eine Kunst, die jedem Ereignis unserer Tage und Nächte gleichwertig war.

Picasso war eine anstrengende Gegebenheit – er hatte überdies die bekümmernde Eigenschaft, durch seine Bilder daran zu erinnern, daß man einer Wirklichkeit mit Ölfarbe und Terpentin beikommen könne, ohne ihre Leibhaftigkeit wegzuleugnen.