G. Z. Wiesbaden

Strafantrag gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge wird der Deutsche Kinderschutzbund e. V. beim Oberstaatsanwalt in Wiesbaden stellen. Unbekannt ist nämlich bis heute, wer dafür verantwortlich ist, daß der Mörder der siebenjährigen Elke Bohanka, der 22 Jahre alte Ewald Kunz aus Wiesbaden trotz Warnens der Ärzte aus der Heil- und Pflegeanstalt entlassen wurde.

Erst beim Lokaltermin hatte Kunz gestanden, am 27. September an dem Mädchen ein Notzuchtverbrechen verübt zu haben. Die Untersuchungen ergaben, daß das Kind einem tödlichem Schock erlag, als Kunz es würgte. Aber nicht nur der Fall, auch die Vorgeschichte wurde jetzt bekannt: Im Sommer 1955 war Kunz wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt und in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen worden, nachdem er ein vierjähriges Mädchen brutal mit einer Bierflasche zusammengeschlagen hatte. Obwohl er dreimal aus der Anstalt flüchtete, gewährte man ihm Weihnachten 1956 Urlaub. Während dieser Tage überfiel er in Wiesbaden eine 20jährige Studentin, die er mit einem Messer niederstach. Das brachte ihm eine dreijährige Jugendstrafe ein.

Nachdem er diese Haft verbüßt hatte, wurde die gegen ihn verfügte Einweisung in eine Heilanstalt aufgehoben. Wenig später mußte Kunz jedoch erneut festgenommen werden: Er stand diesmal im Verdacht der Autofallenstellerei. Er wurde auch kurzfristig in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, bald jedoch wieder entlassen.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Professor Lejeune, sprach offen von einem Versagen der Anstalten und ihrer Ärzte: „Die Ärzte hätten Kunz nicht freilassen dürfen.“ Ein Psychiater müsse wissen, daß ein solcher Mann „fast stets“ wieder rückfällig werde.

Die Psychiater haben auf diesen Angriff scharf reagiert. Der Leiter des Psychiatrischen Krankenhauses des Landeswohlfahrtsverbandes in Goddelau, Medizinaldirektor Dr. Biersack,gab zurück: „Hier liegt einwandfrei ein Versehen durch Stellen außerhalb der Anstalt vor.“ Der Kinderschutzbund hätte sich besser informieren sollen, bevor er die Ärzte in einer solchen Weise in der Öffentlichkeit angriff. „Wir haben in unserem Gutachten Ewald Kunz als gemeingefährlichen Berufsverbrecher qualifiziert, den man unter keinen Umständen auf freien Fuß setzen darf. Wenn das Gericht anders entschieden habe, dann könne man dafür weder den Ärzten noch den Anstalten den schwarzen Peter zuschieben.“

Der Deutsche Kinderschutzbund e. V. hat nun für seine Hauptversammlung ein aktuelles Thema: Absolute! Isolierung aller Sittlichkeitsverbrecher. Professor Lejeune hat angekündigt, daß er einen neuen Appell an den Bundestag richten werde, Sexualverbrecher in Sperrgebieten unterzubringen. Diese Sperrgebiete sollen nach seinem Vorschlag als isolierte Siedlungen in entlegenen Gebirgstälern oder auf Inseln errichtet werden, „Der Schutz der Allgemeinheit, besonders der Kinder, geht über die persönliche Freiheit des Verbrechers.“