Von Pefer Heusen

Was sprecht ihr jetzt schon davon“, so könnten Skeptiker raunen. Aber wer weiß, wie sorgfältig Olympische Spiele, auch die des Weißen Sportes, vorbereitet werden müssen, der lenkt den Blick gern einmal voraus. Was für Arbeit und was für Kosten – schließlich wollen sie erst einmal bewilligt und aufgebracht werden – bedingen und verschlingen allein die olympischen Bauten von den Kampfstätten bis zum liebe Gewohnheit gewordenen Olympischen Dorf.

In Innsbruck, der „Stadt am grünen Inn“ oder der „Stadt in den Bergen“, wie es sich selbst nennt, ist man schon lange mit einer ganz unösterreichischen Akribie und mit dem heißen Herzen und dem großen Wissen begeisterter Wintersportler dabei, die IX. Olympischen Winterspiele vorzubereiten. Es lief nicht immer glatt mit dem für die Bauten notwendigen Geld, aber es geht voran. Am weitesten ist der Umbau der berühmten Berg-Isel-Schanze gediehen, auf der die Skispringer bereits am 30. Dezember dieses Jahres im Rahmen der internationalen Vierschanzen-Tournee das neue olympische Profil erproben können. Fast 140 000 Kubikmeter Erde wurden angeschüttet, die Tribünenanlagen sollen einmal 60 000 Zuschauer aufnehmen, und im Sommer wird eine riesige Freilichtbühne daraus.

Es ist nun keineswegs so, daß Innsbruck beim Bau der Olympiastätten in Gigantismen schwelgt. Im Gegenteil, man hat den Mut zur Selbstbescheidung und tut nur das, was den Spielen nützt und später auch der Stadt zugute kommt. Bewußt strebt man jene sportliche Linie an, die zu dieser Fremdenstadt des Wintersports auch paßt – und eine sportliche Note wird stets die einfachste sein.

Olympische Winterspiele haben nach dem Kriege kaum den Charakter sportlicher Volksfeste gehabt, sieht man einmal von dem Rieseninteresse 1952 in der Großstadt Oslo ab. 1948 ging St. Moritz als „Hotel-Olympiade“ in die Sportgeschichte ein, 1956 speisten in Cortina die Millionen des italienischen Totos den Verlauf, so daß man snobistisch fast auf Zuschauer verzichten konnte, und 1960 wurde in der kalifornischen Wildnis Squaw Valley als Wintersportparadies für Millionäre aus den Felsen gesprengt.

Nichts von alledem will Innsbruck sein. „Rückkehr zur Vernunft, zum Möglichen, zum Zweckmäßigen“, das ist die Devise, von der sich Professor Friedl Wolfgang und seine Mitarbeiter bei allen olympischen Plänen und Bauten leiten lassen. Tirol lebt vom Fremdenverkehr, ist aber kein reiches Land. Auch das steckt Grenzen.

Der landschaftlich so eindrucksvolle Olympiaraum um Innsbruck ist sportlich natürlich vorgezeichnet. Sprungschanze und Eisstadion liegen unmittelbar im Weichbild der Stadt, alle übrigen Austragungsstätten im Umkreis von höchstens 20 Kilometern sind leicht erreichbar.