Versuch einer ganz und gar nicht statistischen Meinungsumfrage

Von Walter Gong

Um den weißgescheuerten, runden Holztisch, der deutsche Gasthausbehaglichkeit verkörpert, sitzen acht Herren. Es ist ihr Stammtisch. Zu meinen Ehren wird heute weder Skat gespielt noch einfach so vor sich hingetrunken. Man mustert den Journalisten mit amüsierter Neugierde: Der kommt also aus Bonn, der muß es wissen, wollen mal sehen ...

Zusammensetzung der Tischrunde: ein Apotheker, ein mittlerer Beamter in städtischen Diensten, zwei Kaufleute (der eine hat den kleinen Tabakladen um die Ecke, der andere handelt im Zentrum des Städtchens mit Herrenmoden), ein Handelsvertreter (Tee, Kaffee, Fertigsuppen, eine gute Weinbrandmarke – das nährt seinen Mann), zwei Herren, deren Berufe mir nicht bekannt werden, und ein – nein, der Glaser des Ortes, alter, wohlhabender Betrieb mit immer noch vielen Lehrlingen und Gesellen, nun ganz aufs Moderne ausgerichtet, verglast die Neubauten der Mitbürger.

Der Apotheker hat mich eingeführt, und ich versprach, nur ein Stündchen zu bleiben. Was halten die Herren wohl von den Koalitionsverhandlungen in Bonn? Betretenes Schweigen. Ich blicke fragend in die Runde.

Der Bann ist gebrochen

Dann melden sich die Herrenmoden zu Wort: „Eine Affenschande. Man kann das kaum noch lesen.“ Alle nicken, nur der Beamte nicht.