Am 10. November wird in Hamburg eine amerikanische Lebensmittelausstellung eröffnet. Damit findet die 100. Messe dieser Art, die der US-Außenhandelsdienst für landwirtschaftliche Erzeugnisse veranstaltet – wie 1955 die erste –, auf deutschem Boden statt. In der Zwischenzeit wurden amerikanische Farmprodukte in 20 anderen Ländern gezeigt.

Die Regierung der Vereinigten Staaten ist dabei, den Export von Agrarprodukten mehr als bisher zu fördern. Denn: die Überschüsse von landwirtschaftlichen Produkten, die in den riesigen Lagerhäusern der USA aufgestapelt sind, erreichten bereits Ende des vergangenen Jahres einen Wert von fast 10 Milliarden Dollar. Allein die Lagerhaltung verschlingt alljährlich enorme Summen Geld. Die zur „Preisstützung“ aufgekauften und gespeicherten Überschüsse kosten den amerikanischen Steuerzahler obendrein über 9 Milliarden Dollar.

Die amerikanischen Werbefachleute und Marktforscher, die sich zur Zeit in großer Zahl in Westdeutschland aufhalten, um den Verbrauchermarkt für Agrarprodukte zu untersuchen, sind der Ansicht, daß es möglich ist, den Absatz amerikanischer Agrarerzeugnisse in der Bundesrepublik wesentlich zu erhöhen. Im amerikanischen Landwirtschaftsministerium ist sehr wohl bekannt, daß die Bundesrepublik das bedeutendste Einfuhrland für Agrarerzeugnisse innerhalb des EWG-Raumes ist, und man weiß in Washington, daß es höchste Zeit ist, sich in das Wettrennen um den deutschen Agrarmarkt einzuschalten, das in Europa eingesetzt hat.

Nach Angaben des letzten „Grünen Berichtes“ belief sich der Gesamtwert der ernährungswirtschaftlichen Einfuhren aus der westlichen Welt in die Bundesrepublik im Wirtschaftsjahr 1959/60 auf 10,73 Milliarden DM. Gemessen am Verkaufserlös der deutschen Landwirtschaft, der zur gleichen Zeit etwas über 19 Milliarden DM ausmachte, ist das ein sehr hoher Prozentsatz.

Der Vorteil der Farmer der USA gegenüber Europa liegt in erster Linie in der Betriebsgröße und der Mechanisierung des Ackerbaus. Während die durchschnittliche Betriebsgröße (aller Betriebe über einen Hektar) im EWG-Raum 9,8 ha und in der kleinen Freihandelszone 10,5 ha beträgt, wird in den USA die durchschnittliche Betriebsgröße der „Commercial Farms“ (läßt man die Nebenerwerbsbetriebe außer acht) mit 135 ha angegeben. Die Durchschnittsgröße aller Farmen der USA beträgt gegenwärtig rund 105 ha. Rechnet man noch die hohe mechanische und maschinelle Entwicklung der US-Farmen hinzu, so ist die Überlegenheit über unsere europäische Landwirtschaft durchaus begreiflich.

Auch sind die Farmer der Vereinigten Staaten den Bauern Europas wegen des amerikanischen Preis- und Subventionssystems überlegen. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich Einzelheiten veröffentlicht über die Höhe der Subventionen, die Farmer erhalten, wenn sie Ackerboden brachliegen lassen. 1959 erhielten die Farmer einen Durchschnittszuschuß von 11,56 Dollar pro Acre (ein Acre etwa 4046 Quadratmeter) nicht bestellten Landes. 1960 umfaßte das „stillgelegte“ Ackerland insgesamt 28,6 Millionen Acres. Bis. 1963 ist eine Ausweitung auf 60 Millionen Acres geplant.

Da auch diese Aktion Jahr für Jahr die amerikanische Staatskasse belastet, ist die US-Regierung bemüht, den Export nach Europa wesentlich zu erhöhen.