FUNK

SWF BADEN-BADEN

28. Oktober, das Hörspiel:

Wer schläft, steht dem Feind bei – stimmt genau. Und weil das so rundherum überzeugt, schläft denn auch der Staatsbürger auf Geheiß des vaterländischen Kaisers nicht mehr. Soweit wäre die Sicherheit des Reiches gewahrt, wäre da nur nicht noch der Dichter, der doch tatsächlich im raschelnden Schilf beim Schlafen entdeckt worden ist. Und er schläft auch noch vor den Füßen des Kaisers weiter, bis ihn eine Drossel weckt. Hat man aber schon einen Dichter entdeckt, dann soll er wenigstens ein Gedicht auf den Frieden zusammenreimen (50 Strophen, versteht sich), zur Vorbereitung des demnächst stattfindenden Krieges, wozu sonst?

Aber Poeten sind radikale Kerle. Unser Träumer aus Bestimmung lockt den knurrenden Leibgardisten in den Schlaf, und bald nickt auch der Kanzler ein, der einen Umsturz plant. Na, und mit einem Kaiser wird ein Dichter allemal fertig – auch ihm fallen die Lider endlich zu. Erst dann kann der brave Künstler an seinem eigenen Gedicht von Wind, Schilf und Wellen weiterarbeiten, bis auch ihn ein Traum entrückt.

Werner Aspenström gilt als tonangebender Lyriker im heutigen Schweden. Sein Hörspiel mag als Satire gemeint sein, ist dafür aber viel zu versöhnlich und heiter. Es ist die unschuldige Verklärung furchtbarer Tatbestände ins Märchenhafte, Schwebende. Traumwandlerisch besiegt das Reine und Schöne den Terror. Sicher, wir müssen auch heute ein Ohr für so zierliche Parabeln haben. Aber – es fällt schwer, dies angesichts der lauteren Absicht auszusprechen – die unauffällige Gestaltung einer doch ein wenig schlichten Geschichte macht das Hörspiel eigentlich für den Jugendfunk geeigneter. Auch drängt sich einem das sichere Gefühl auf, daß in Anbetracht der zeitgenössischen wahnwitzigen Diktaturen ein so treuherziges Märchen aus einer anderen Zeit oder – aus Schweden kommen muß, wo die wutschnaubende Tyrannei nur aus der Entfernung bekannt ist. H. K.