Fünf Wittelsbacher Prinzessinnen trauen ihrem Halbbruder nicht mehr

Am Donnerstag der kommenden Woche wird der 1. Zivilsenat des Oberlandesgerichts München darüber befinden, ob ein bayerischer Bürger, der auf dem Terminzettel vor dem Verhandlungssaal etwas ungenau als „Herzog v. B.“ ausgewiesen wird, den Offenbarungseid leisten muß.

Dieser „Herzog v. B.“ wird von den demokratischen Richtern im Lande Bayern mit der ihm geziemenden Hochachtung behandelt. Ein Urteil, das 1958 gegen ihn erging, bezeichnet ihn recht präzise als „SKH Erbprinz Albrecht Herzog von Bayern“. Albrecht ist das älteste Kind des Kronprinzen Rupprecht und Chef der königlichen Linie des Hauses Wittelsbach (es gibt außerdem noch eine herzogliche Linie, deren Angehörige den Titel Herzog bzw. Herzogin in Bayern führen).

Lukrativer Ausgleichsfond

Das Ungemach, das über ihn hereingebrochen ist, verdankt Herzog Albrecht der durchaus bürgerlichen Münchner Anwaltskanzlei Nath und Schilling, die freilich nicht aus eigenem Antrieb gegen ihn vorgeht. Die Kanzlei vertritt vielmehr einige nahe Verwandte des Herzogs, und prozessiert wird um bares Geld.

In erster Ehe wurde Kronprinz Rupprecht nur ein Kind beschert, der heute 56jährige Albrecht Luitpold Ferdinand Michael. Aus der zweiten Ehe des Kronprinzen wuchsen Albrecht sechs Halbgeschwister zu: ein (mittlerweile verstorbener) Prinz und fünf Prinzessinnen. Diese Prinzessinnen nun nehmen den Standpunkt ein, sie hätten aus der Hinterlassenschaft des allen gemeinsamen Vaters mehr zu bekommen, als ihr Halbbruder ihnen zugestehen möchte.

Das Erbe des Kronprinzen Rupprecht ist, gemessen an dem einstigen Wittelsbacher Vermögen, verhältnismäßig gering, was mit der Auseinandersetzung um die Fürstenvermögen nach dem Ersten Weltkrieg zusammenhängen mag. Sozialdemokraten und Kommunisten traten zu jener Zeit für eine entschädigungslose Enteignung der entthronten Häuser ein; 1926 kam es dann zu einem Volksentscheid, der jedoch nicht im Sinne der Initiatoren ausging.