Von Gerd A. Bolze

Golfspielen verlängert das Leben! Das ist kein Werbeslogan einer Sportartikelfirma, sondern eine Tatsache, die sich statistich beweisen läßt. Würden sonst Stadt- und Gemeindeverwaltungen, ja sogar die hart mit dem Dollar kalkulierenden Lebensversicherungsgesellschaften in Amerika und Großbritannien den Bau von Golfplätzen finanzieren? Als man Henry Ford an seinem siebzigsten Geburtstag fragte, durch welche Kuren oder Pillen er sich derart jung halte, daß er wie ein rüstiger Fünfziger wirke, war die Antwort: „Täglich 18 Löcher Golf spielen, das ist meine Wundermedizin!“ Und Ortega y Gasset schrieb: „Mehr als ein Spiel ist Golf und mehr als nur ein Sport für wenige.“

Es gibt kaum eine zweite Sportart, die man so ein Leben lang betreiben kann wie Golf. Das erzwungene, kilometerlange Spazierengehen auf weichem Heide- und Waldboden in schönster Naturkulisse, das Einatmen frischer Luft und der beidhändige Schwung beim Schlag erfrischen und lenken den Geist von den Alltagssorgen ab.

Vor kurzem wurde in den Hamburger Walddörfern der 51. Golfplatz Deutschlands eingeweiht. Damit ist zwar, wegen der abgetrennten Ostgebiete, noch nicht ganz wieder die Zahl der Plätze von vor dem Kriege erreicht, doch mit fast 10 000 Golfspielern hat sich dafür aber die Mitgliederzahl in Deutschland seit 1939 mehr als verdoppelt. Mit nunmehr fünf Plätzen ist die Hansestadt Hamburg die deutsche Golfhochburg. Doch wie bescheiden sind diese Zahlen gegenüber denen in Amerika und Großbritannien!

„Präsident Eisenhower hat eine Runde Golf gespielt!“ – solche kleinen Notizen in den amerikanischen Zeitungen haben in den USA diesem Spiel zu unwahrscheinlicher Popularität verholfen. Nach vorsichtigen Schätzungen sollen sich auf den über 6000 amerikanischen Golfplätzen – man hat bisher auf der ganzen Welt nur etwas über 11 000 Golfanlagen – über zehn Millionen Golfer jeden Alters tummeln. Diese Zahl kann übrigens nur geschätzt werden, weil man in den USA nicht unbedingt Mitglied eines Golfklubs zu sein braucht, sondern auch für eine Tagesgebühr von etwa einem Dollar seine Golfschläger schwingen kann.

Golf ist in den USA ein „Wirtschaftsfaktor“: Fast 100 000 Personen verdienen als Platzarbeiter und -angestellte ihr Brot; allein über 160 Millionen Mark werden alljährlich an die Caddies (Golftaschenträger) gezahlt; die jährlichen Unterhaltungskosten der amerikanischen Plätze werden mit ungefähr 300 Millionen Mark veranschlagt, und für etwa 350 Millionen Mark werden je Jahr Golfbedarfsartikel umgesetzt. Das ist mehr als für alle anderen Sportarten zusammen (Baseball: 144 Millionen, Leichtathletik: 120 Millionen, Tennis und Badminton: 36 Millionen, Boxen: 1,8 Millionen Mark). Im Jahre 1960 wurden in Amerika 6 684 254 Golfschläger, 4 255 174 Dutzend Golfbälle, 717 250 Golftaschen und 181102 Caddiewagen verkauft. Allein rings um New York registriert man weit über 200 Golfplätze.

Wesentlich bescheidener, doch für deutsche Verhältnisse immer noch utopisch sind die Zahlen im Golf-Mutterland Großbritannien, wo etwa 600 000 Golfspieler von über 4000 Golflehrern trainiert werden. Von den 1800 englischen Golfplätzen liegen allein 120 im Stadtbild von London. In der Welt gibt es über 11 000 Golfplätze in 70 Ländern. Mit ihren bisher 51 Plätzen rangiert die Bundesrepublik an zwölfter Stelle hinter USA (6011), Großbritannien (1800), Australien (1000), Kanada (675), Neuseeland (330), Japan (200), Südafrika (154), Frankreich (73), Argentinien (69) Schweden (60) und Italien (55).