Ein Test an der Berliner Sektorengrenze – Die Steine wackeln schon

C. M., Berlin

Bei uns in Paris wäre so etwas wie eine Mauer durch die ganze Stadt unmöglich. Wir würden sie einfach sprengen“, meinte in diesen Tagen ein Franzose in Berlin. Wir standen vor der „Berliner Mauer“.

„Die Mauer, na Mann, die fällt doch im Winter zusammen“, sagte plötzlich ein junger Berliner, der sich zu uns gesellte. „Laß man erst den Frost kommen.“

Fast jeder Tourist, der nach Berlin kommt und eine der üblichen Stadtrundfahrten unternimmt, hat es schon einmal gehört: mit den Steinen, die nötig waren, um eine Mauer quer durch unsere Stadt zu errichten, hätte die Sowjetzone etwa 5000 Wohnungen bauen können.

Die Mauer mußte im Eiltempo gebaut werden. Lastwagen wurden eingesetzt. Die Maurer hatten plötzlich viel zu tun. Plötzlich war auch – welch ein Wunder in der staatlichen Bauwirtschaft – Zement und Beton zur Stelle. Aber die Schnelligkeit triumphierte über die Gründlichkeit. Das fand auch der Techniker aus Frankreich bald heraus.

Es ist nicht einfach, nah genug an die Mauer zu kommen, weder von der östlichen Seite her, noch von der westlichen. Als wir den Westberliner Schupo fragten, ob wir die Mauer einmal näher untersuchen dürften, da schaute er uns nur verdutzt an: „Warum?“ wollte er wissen. Der Techniker erklärte es ihm. „Na, schön“, meinte er schließlich, „gehen Sie ruhig ran. Aber seien Sie vorsichtig. Die drüben lassen sich leicht provozieren.“