gru / Hamburg

Von nun an bin ich ein „deutscher Sparer“. So wird es jedenfalls in der Statistik stehen. Nicht drin stehen wird freilich: daß ich nicht aus Prinzip, sondern nur aus Gutmütigkeit spare.

Am 26. Oktober ging ich zu meiner Sparkasse. Da das Geld dort nicht ganz so schnell schwindet wie im Portemonnaie, wollte ich einen Betrag auf mein Sparkassenbuch einzahlen. Ich gab dem Fraulein am Schalter das Geld. Sie sprang auf und rannte weg. Hinter einer Glaswand sah ich sie mit dem Sparkassenleiter sprechen. Ich wartete. Nach einer Weile kamen die beiden zusammen an den Schalter zurück. „Wo ist die Dame?“ rief der Sparkassenleiter und rieb sich die Hände. Die Sparkassen-Angestellten starrten mich an. Der Mann beugte sich über den Tresen. „Gnädige Frau“, sagte er, „Sie wollen sparen?“ Ich erklärte, ich wolle nur einen Betrag auf mein Sparkassenbuch einzahlen. Der Mann schaute mich durchdringend an: „Gnädige Frau, darf ich Sie um einen persönlichen Gefallen bitten. Lassen Sie uns das Geld da. Aber mit Ihrer Erlaubnis verbuchen wir es erst am 30. Oktober auf Ihrem Konto.“ Das verstand ich nicht. „Ihnen macht das doch nichts aus“, bat der Mann, „die drei oder vier Pfennig Zinsen, die Sie in den vier Tagen bekommen würden, merken Sie gar nicht. Aber für unsere Statistik ist das wichtig. Am 30. Oktober begehen wir den Weltspartag.“