Von Wolfgang Ebert

Gestatten: mein Name ist Giovanni Pontano. Ich bin der Gemahl der Moreau in dem Antonioni-Film „Die Nacht“. Ich habe irgendwie das Gefühl, daß ich Ihnen eine Erklärung schuldig bin. Wir Männer kommen ja bei dem Regisseur Antonioni – denken Sie nur an „... die mit der Liebe spielen“ – immer so schlecht weg. Wir sind bei ihm immer haltlose, triebhafte Geschöpfe und schuld daran, daß die Frauen in seinen Filmen immer so traurig sind.

Damit bin ich schon bei Lidia, meiner Frau. Wir sind also im Krankenhaus bei unserem Freund Tommaso gewesen, der dann gestorben ist, und verständlicherweise in betrübter Stimmung.

Jetzt begehe ich meinen ersten Fehler. Ich lasse nämlich Lidia allein vorausgehen – aber wie kann ich auch ahnen, daß ihr ausgerechnet in diesen wenigen Minuten klar wird, daß sie mich nicht mehr liebt?

Na schön! Wie ich ’runtergehe, steht da wieder im Gang diese Irre – gar nicht mein Typ, das Mädchen, aber aus Mitleid habe ich sie trotzdem geküßt. Meine Frau jedoch – haben Sie ihr Gesicht gesehen, als ich ihr später im Auto blödsinnigerweise davon erzähle?

Um sie ein wenig aufzuheitern, nehme ich sie zu der Super-Dolce-Vita-Party bei dem Industrieboß mit. Offenbar hatte ich ganz vergessen, daß meine Frau mit ihrer schlechten Laune der Ruin von einhundertundzweiundzwanzig gut geplanten Partys gewesen ist. Daheim kann sie manchmal ein sehr fideles Haus sein – kaum aber erscheint sie auf einer Party, wird sie trostlos traurig und steckt auch noch die Gäste an. Mich würde es nicht wundern, wenn wir bei den Leuten nie wieder eingeladen werden. Schön, ich hätte wohl nicht mit Gastgebers Töchterlein anbändeln sollen ... Konnte ich ahnen, daß meine Frau zusieht, wie wir uns küssen?

Und Lidia? Gehört es sich vielleicht den Gastgebern gegenüber, daß sie sich von diesem Playboy wegführen läßt? Schön, es ist nichts vorgefallen – aber manche Leute werden sich was dabei gedacht haben, und mich hat sie damit in ein schiefes Licht gerückt. Inzwischen macht mir der Gastgeber das lukrative Angebot, das mich als Künstler endgültig korrumpieren soll. Wenn es nach Lidia ginge, müßte ich es natürlich ablehnen.