Langsam rollt der große Lastwagen aus: Vor uns steht ein Volkspolizist, der mit einer roten Taschenlampe das Stoppsignal gegeben hat. Junges Gesicht, elastischer Gang. „Ihre Ausweise bitte, den Laufzettel und die Tachoscheibe“, sagt er freundlich und klettert auf das Trittbrett des Lastwagens. Wir zeigen ihm, was er wünscht. Er nimmt es ohne viel Aufmerksamkeit zur Kenntnis. Ich biete ihm eine Zigarette an – er lehnt ab. Ich halte die Schachtel etwas tiefer, so daß sein Kollege, der vor dem Wagen. steht, es nicht sehen kann. Jetzt nimmt er an, lächelt ein wenig und meint: „Na, ist ja auch egal, nicht?“

Dies ist der Satz, der typisch ist. Das Dasein im deutschen Sowjetgebiet verläuft nach dem Satz: „Ist ja egal, nicht?“

„Mir war alles egal“, sagte der junge Vopo, der kürzlich über die Mauer in Berlin gesprungen war. „Erst hatten wir Angst – aber dann war uns alles egal“, meinte der Fahrer eines Lastwagens, der mit zwei Freunden die Mauer durchbrochen hatte.

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Eine unnatürliche Ruhe scheint über den Straßen zu liegen, die durch die Sowjetzone führen. Auf lange, lange Distanzen kein anderes Auto, kein Fußgänger – nur hin und wieder einmal ein Wildschwein oder ein Reh. Die kleinen Ortschaften sind dunkel, die wenigen Gaststätten haben geschlossen. Die „DDR“ nachts um 23 Uhr, tiefe Stille...

Die gleiche Straße am Vormittag: Nur wenige Menschen sind in den kleinen Städten und Dörfern der Mark auf den Beinen. Die Geschäfte zeigen bescheidene Auslagen. Sicherlich, es gibt genug zu essen. Brot ist immer zu haben. Es gibt Tage, an denen Wurst und Käse verschiedener Sorten reichlich vorhanden sind. Doch morgen schon kann Fett knapp sein oder Fleisch; übermorgen gibt es vielleicht keine Kartoffeln. Das kommt, weil die Transportmöglichkeiten ungenügend und die Arbeiter der Landwirtschaft uninteressiert sind. „Ist ja egal, nicht?“

Der Bauer sagt es, der vor nicht allzu langer Zeit noch Besitzer und Herr seines Hofes war. Seit er Landarbeiter ist, verkommt sein Hof, das Vieh ist nicht mehr gepflegt, und schließlich gehört sein Traktor nun einer „MTS“, einer Maschinen-Traktoren-Station, und er ist auch nicht mehr in Ordnung. Dem ehemaligen Bauern ist es gleich...