HAMBURG (Kunstverein): „Maillol“

Die große Maillol-Aussfellung, die das Pariser Musee National d’Art Moderne im Hinblick auf den bevorstehenden 100. Geburtstag des Bildhauers (am 8. Dezember 1961) veranstaltet hatte, ist jetzt nach Deutschland gekommen. Sie bleibt bis zum 7. Januar in Hamburg, geht dann ins Stedelijk Museum Amsterdam (15. Februar bis 15. März) und weiter nach Frankfurt, Stuttgart und München. Man sieht zum erstenmal das ganze Lebenswerk: 84 Skulpturen aus den Jahren 1896 bis 1944, dazu die Zeichnungen und Pastelle, auch die fast unbekannten Gemälde aus den frühen und den letzten Jahren sowie die kunsthandwerklichen Arbeiten, Teppiche, Keramik, Gegenstände für den eigenen Hausgebrauch. Man ist überwältigt von so viel Größe und monumentaler Haltung. Man spürt aber auch die Distanz zwischen Maillol und der Gegenwart. Man scheut vor der raschen Formel: Aristide Maillol, der Klassiker, Gestalter des stillen, in sich ruhenden Daseins. Das Werk ist sehr viel komplizierter, vielschichtiger, „interessanter“, als solche Klischees vermuten lassen. Die Bilder aus den neunziger Jahren zeigen den Einfluß Gauguins und die Nähe zu den „Symbolisten“. Die Wandteppiche, auch der Keramikbrunnen, sind reiner Jugendstil. Maillols Plastik, seine Frauengestalten erwecken den Anschein von Natürlichkeit. Aber ihre Gebärden sind sterilisiert, sind voller Bedeutung, und ganz mit Recht tragen sie ihre allegorischen Namen – „Flora“, „Pomona“, „lle de France“. Das geht, im Denkmal für Cézanne, bis zur großen pathetischen Geste. Das alles liegt sehr weit von dem entfernt, was wir „das Klassische“ nennen. Was uns unmittelbar berührt, sind, jenseits von Natürlichkeit und Symbolik, die rein plastischen Werte, die volle, runde Form, das Blockhafte, Gebaute seiner Figuren, diese einzigartige Verbindung von Tektonik und Lebendigkeit.

MÜNCHEN (Galerie Günther Franke): „Drenkhahn“

Zum erstenmal werden die Bilder von Reinhard Drenkhahn, der im März 1959, 33 Jahre alt, freiwillig aus dem Leben schied, jetzt in Süddeutschland gezeigt. Im Frühjahr 1960 hatte der Hamburger Kunstverein eine umfassende Ausstellung veranstaltet – die ZEIT hat damals ausführlich darüber berichtet. In München sind 45 Bilder, vorwiegend aus den Jahren 1956 bis 1959, ausgestellt, außerdem graphische Blätter. „Strandläufer“ und „Leitermann“ sind die beiden großen Themen, die ihn anfangs beschäftigten, später: „Brandmauer“, „Ofenstein“, „Weiße Mauerzeichen“, bei denen sich die Dramatik, die leidenschaftliche Anteilnahme nach innen verlagert. Immer spür man die künstlerische Intensität, die Bereitschaft, sich vollkommen, bis zur Selbstaufgabe, einzusetzen. Daß ein Künstler postum erkannt, seinem Rang entsprechend gewürdigt wird, hat sich in der deutschen Nachkriegsmalerei zweimal ereignet: bei Werner Heldt und bei Reinhard Drenkhahn. Die Ausstellung in der Stuckvilla dauert bis Ende November.

BOCHUM (Städtische Kunstgalerie): „Werkman“

Der künstlerische Nachlaß von Hendrik Nicolaas Werkman, dem stillen, abseitigen, erstaunlich originellen Holländer, der 1945 von der Gestapo erschossen wurde, wird im Stedelijk Museum in Amsterdam aufbewahrt. Die Kestner-Gesellschaft hatte ihn vor fünf Jahren zuerst in Deutschland ausgestellt. Jetzt zeigt Bochum noch einmal sein Gesamtwerk (bis zum 26. November). Werkman war Drucker, seine Bilder sind mit den Utensilien des Druckers hergestellt, mit Druckerfarbe, der Farbwalze, Satztypen, Papierschablonen. Von dieser handwerklichen, typographischen Basis gelangt er zu figürlichen, landschaftlichen und freien Kompositionen. Es ist ein seltsam poetischer Beitrcg zur modernen Malerei.

KÖLN (Kunsthaus Lempertz): „Alte Kunst“

Vom 8. bis 11. November wird bei Lempertz „Alte Kunst“ versteigert. Besonders attraktiv in dem über 1800 Nummern umfassenden Angebot sind die Niederländer des 16. und 17. Jahrhunderts: Brueghel d. Ä., Rubens („Jupiter und Venus“, Schätzpreis DM 60 000.–), van Dyck, Ruysdael, Momper, van Goyen und viele andere große Namen. Zahlenmäßig geringer, aber von hoher Qualität ist das Angebot von Altdeutscher Kunst, darunter vier Darstellungen aus der Cordula-Legende eines kölnischen Meisters, der dem Meister der Ursula-Legende nahesteht, sowie spätgotische Skulpturen. Außerdem, wie bei Lempertz üblich, viel Kunstgewerbe: Porzellan, Fayencen, bei den Möbeln Original-Chippendale. g. s.