Der 24jährige Mainzer Hotelier, Innenarchitekt, Koch, Finanzierungs- und Rationalisierungskünstler Berno Feuring verspricht so etwas wie ein „Hilton made in Germany“ zu werden. Er baut zur Zeit sein viertes „Europahotel“ (in Ludwigshafen am Rhein), und es wird wie seine gleichnamigen Vorläufer in Mainz, Recklinghausen und Teneriffa mit viel technischem Raffinement ausgestattet sein.

Angefangen hatte Feuring vor sieben Jahren. Damals machte der gerade 17jährige Kochlehrling eine Radtour nach Nordafrika. Er schlief im Zelt und lebte von Brot und Apfelsinen, aber alle acht Tage leistete er sich eine Übernachtung in einem erstklassigen Hotel, „um mich zu. duschen und die Einrichtung zu studieren“. Er studierte dabei die französischen, spanischen und portugiesischen Luxushotels genau, die zwar großzügig, aber unrationell arbeiten und heute im Zeitalter des Pauschaltourismus unrentabel sind. Wohlerhaltene Plüschsessel und schnörkeliges Silber beeindruckten ihn nicht besonders, wohl aber ein für „Luxusgäste“ ausgedachter Dienst am Kunden, der wie in Casablanca im Badezimmer ein Notrufmikrophon nicht vergißt.

Daß Berno Feuring schnell an die eigenen Taten denken konnte, verdankt er nicht nur seiner Initiative, sondern auch dem väterlichen Vermögen. Dem 50jährigen Jacob Feuring, einem frohsinnigen Mainzer Bürger, gehört ein Restaurant gegenüber dem Bahnhof der rheinpfälzischen Landeshauptstadt. Das sollte der einzige Sohn dereinst übernehmen. Auf seine praktische Begabung vertrauend, verließ der Sohn sehr bald das humanistische Gymnasium, ging bei seinem Vater in die Kochlehre und absolvierte nebenbei eine Handelsschule. In diese Zeit fiel auch die (vom Vater mißbilligte) Reise nach Afrika; es folgte eine (vom Vater befürwortete) Volontärzeit in verschiedenen Hotels in England, Frankreich und der Schweiz.

Nach der Rückkehr hatte der temperamentvolle junge Mann viele Widerstände zu überwinden, doch dann verblüffte er, der nicht raucht und selten Alkohol trinkt und gerade volljährig geworden war, seinen Vater und die Fachwelt mit einem siebenstöckigen Hotel. Er nannte es „Europahotel“. Es wird als das modernste des Kontinents bezeichnet.

Schon In der Halle erlebt man die erste Überraschung: An Stelle des Schlüsselbretts befindet sich neben dem Lift ein „Tresor“ mit Schließfächern für jedes Zimmer. Der Gast ruft dem Portier die Zimmernummer zu. Auf dessen Knopfdruck fällt – durch Fernbedienung – die Klappe, und Nr. 103 kann seinem Fach Schlüssel und Post selbst entnehmen.

In seinem Zimmer findet der Gast ein kleines Wandbrett, an dem verschiedene Marken hängen. Gelüstet es ihn nachts nach Limonade, Bier, Wein oder Sekt, so greift er zu dem Chip mit der entsprechenden Getränkeaufschrift, schickt ihn mit Rohrpost nach unten und kann schon 30 Sekunden später das gewünschte Getränk einem Liliputaufzug im Korridor entnehmen. Unten bedient der Portier und nimmt die Marke mit der Zimmernummer als Beleg für die Abrechnung. „Dieser 24-Stunden-Service erspart mir den Etagenkellner“, sagt Feuring und fügt schmunzelnd hinzu: „Das Ding probiert natürlich jeder aus, auch wenn er keinen Durst hat.“

All den anderen Komfort wie Fernsehgerät im Zimmer, Notrufmikrophon im Bad und die Klima-Anlage nimmt man dann schon fast als selbstverständlich hin. Nur über eines vermag man sich schließlich noch zu wundern: über die Preise. Ein Beispiel: 15 Mark für ein Einzelzimmer mit Bad.