In der vergangenen Woche wurde der jugoslawische Erzähler und Lyriker Ivo Andrić von der Schwedischen Akademie in Stockholm mit dem Nobelpreis für Literatur 1961 ausgezeichnet: für „die epische Kraft, mit der er Motive und Schicksale in der Landschaft seiner Heimat gestaltet“. Andrić, der erste Jugoslawe, der den Nobelpreis für Literatur erhielt, wurde 1892 in Travnik (Bosnien) geboren, studierte in Zagreb, Wien, Krakau und Graz und ging dann in den diplomatischen Dienst. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war er Gesandter Jugoslawiens in Berlin und wurde nach der Besetzung Jugoslawiens in einem Lager am Bodensee interniert. In den Nachkriegsjahren präsidierte er mehrere Jahre lang der jugoslawischen Schriftstellervereinigung und erhielt 1956 den höchsten jugoslawischen Literaturpreis, den „Preis fürs Lebenswerk“.

In Deutschland wurde Andrić vor allem durch seine Romane „Die Brücke über die Drina“ (1959) und „Wesire und Konsuln“ (1961), beide im Carl Hanser Verlag, München, erschienen, bekannt. In deutscher Sprache erschienen außerdem noch „Der verdammte Hof“ (Suhrkamp Verlag, 1957), „Die Brücke über dem Zepa“ (1957), „Das Fräulein“ (Aufbau Verlag, 1958), „Die Geliebte des Veli Pascha“ (Steingrüben Verlag, 1959) und eine Novellensammlung (1939). In der Originalsprache brachten die Verlagshäuser Prosveta (Belgrad) und Svetlost (Sarajevo) seine „Ausgewählten Werke“ in vier Bänden heraus. Milo Dor, der mit dem Nobelpreisträger befreundet ist, wird in der kommenden Ausgabe der ZEIT Werk und Person Andrićs ausführlich würdigen. n. g.