Von Janusz Oseka

Warschau, im November

Die erste astronautische Expedition in das Weltall fand auf einem verlassenen Planeten eine handgeschriebene Denkschrift in Form einer Chronik. Dies ist der Inhalt, wie er nach der bestmöglichen Genauigkeit von Wissenschaftlern entziffert wurde:

„In unseren Laboratorien erfand man ein Spezialmittel, das ‚Liliputol‘, das der Verkleinerung von Lebewesen dient. Es sind Pillen zum Einnehmen. Je nach Zahl der eingenommenen Pillen können wir unsere Ausmaße verkleinern. Sobald wir das neu eingeführte Liliputol hatten, brauchten wir nach der Verkleinerung um die Hälfte der bisherigen Körpergröße nur noch die Hälfte unseres Gehaltes für Ernährung und Bekleidung auszugeben, der Rest blieb für unser Vergnügen. Wir machten das sehr schlau: Den Kühen, Schweinen und Hühnern gaben wir kein Liliputol. Nun hatten wir die doppelte Menge an Milch, Fleisch und Eiern.

Wir kamen sodann zu der Überzeugung, daß man die Maschinen, die Gebäude und Einrichtungen umbauen muß, doch das machte sich bezahlt. Es gab keine Wohnungssorgen mehr.

Der Kriegsminister brachte in seinem Befehl höchste Anerkennung für Liliputol zum Ausdruck. Er unterstrich, daß ein kleiner Soldat schwerer zu treffen sei. Nur wenige drückten sich vor der Einnahme des Liliputols und versteckten sich auf Dachböden und in Kellern. Mit der Zeit wurden viele von ihnen klüger und nahmen es auch ein.

Es geht uns immer besser. Das Getreide wächst wie früher, das Brot wird wesentlich billiger. Jeder möchte möglichst viel Geld sparen, also verkleinert man sich individuell verschieden, um seinen gewünschten Standard leichter erreichen zu können. Bravo, Liliputol! Einst hatten wir zuwenig Kinos.