Von Curt Riess

Am Tage, da diese Zeitung ausgeliefert wird, findet im Zürcher Schauspielhaus die mit Spannung erwartete Premiere von Max Frischs „Andorra“ statt. Unser Theaterkritiker Johannes Jacobi wird dabeisein und in der nächsten Nummer der ZEIT darüber berichten. Eine Einführung dazu ist dieser Aufsatz von Curt Riess.

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat ein Stück gegen den Antisemitismus geschrieben.

„Eigentlich handelt das Stück gar nicht von Antisemitismus“, meinte Frisch, als ich mich vor einigen Monaten mit ihm in Rom darüber unterhielt. „Der Antisemitismus ist nur ein Beispiel.“

Jedenfalls handelt es sich um ein Drama, in dem kein Jude vorkommt. Nur einer, der fälschlich für einen Juden gehalten wird. Aber der wird zu Tode gehetzt – eben deswegen. Nachher will es keiner gewesen sein.

Bis es soweit ist, sprechen alle von den schlechten Eigenschaften der Juden.

Sie können den Mund nicht aufmachen, ohne das Wort Jude’ zu gebrauchen.