Eines Tages fand auch ich im Briefkasten zwei Ehrenkarten. Neugierig, welche Ehre mir erwiesen werden sollte, folgte ich der Einladung, zumal das Begleitschreiben „neunzig vergnügliche Minuten“ versprach. Ein Film mit dem Titel „Der Mann mit den zwei Frauen“, der mir bisher entgangen war, war außerdem angekündigt.

So begab ich mich zur angegebenen Zeit in das Kino mit der bangen Sorge im Herzen, ob mir wohl noch ein Sitzplatz beschieden sei, denn in der Einladung hieß es ausdrücklich: „Da unsere Veranstaltungen meistens überfüllt sind, sichert Ihnen beiliegende Freikarte einen Sitzplatz nur bis zehn Minuten vor der Anfangszeit.“ Ich hatte Glück. Das Kino war erst halb voll – und blieb es auch.

Als alle Türen verschlossen waren und niemand mehr entfliehen konnte, trat eine sehr blonde, recht üppige Dame vor das Publikum, um uns zu erzählen, wie wichtig es sei, gesund, zu leben und zu essen. Leibesfülle, so verkündete sie im Brustton der Überzeugung, sei keineswegs unabwendbares Schicksal, sondern ... Auf Breitwand und in Color wurden wir nun informiert über die Vorzüge des Patentkochtopfes XYZ für Gesundheit und schlanke Linie.

„Und jetzt“, so hub die Dame nach dem letzten Filmbild wieder zu sprechen an, „werden Sie mich fragen: Was kostet das? Nun, die am meisten gekaufte Größe kostet 94 Mark. Aber die bezahlt Ihr Elektrizitäts- oder Gaswerk, denn so viel sparen Sie! Und wenn Sie den Topf heute hier her stellen“ (an den taktisch richtigen Stellen hatten inzwischen Damen und Herren mit Bestellbüchern Stellung bezogen), „dann zahlen Sie 18 Mark weniger. Ich habe eine Werbepreisliste, die heute gilt, und eine Normalpreisliste.“

Ich ging zu einem Verkäufer: „Was: kostet nun der Topf?“

„94 Mark.“

„Ich denke, es ist heute 18 Mark billiger?“