Ramckes Alterssitz – Seite 1

DK-Kappeln

Am Stadtrand von Kappeln an der Schlei, so hört man, hat der ehemalige Fallschirmjägergeneral Ramcke ein Haus erworben und beabsichtigt, sich dort niederzulassen.

Dies ist wirklich nur eine kleine Nachricht, wenn man sich erinnert, mit welchen Neuigkeiten der General Hitlers das vorige Mal von sich reden machte: Im Frühjahr 1959 verlor Ramcke bekanntlich einen fünf Tage dauernden Beleidigungsprozeß vor dem Hamburger Amtsgericht. „Das Ende der Festung Brest“, ein vom NDR gesendetes Hörspiel des Autors Erich Kuby habe ihm, meinte er, unterstellt, eigensüchtige Motive hätten ihn länger durchhalten lassen, als seinen Soldaten gegenüber zu verantworten war.

In einem stillen Winkel des deutschen Nordens seßhaft zu werden, war einstmals nicht des alten Kriegers Nachkriegsplan. Vielmehr gen Ostland zu ziehen, war sein Friedenstraum. Ihn sorgfältig vorzubereiten, schrieb er am 15. Januar 1943 – soeben zum Generalleutnant befördert – an Heinrich Himmler einen Brief:

„Sehr geehrter Herr Reichsführer!

Nach einem Dank für ‚freundliche und ehrende‘ Glückwünsche zur Beförderung heißt es im zweiten Absatz:

„Bei meiner Anwesenheit im Führerhauptquartier anläßlich der Verleihung des Eichenlaubs habe ich Ihnen, Reichsführer, gegenüber die Bitte zum Ausdruck gebracht, mich um eine Ansiedlung im Osten schon jetzt bewerben zu dürfen. Diese zwischen Tür und Angel vorgebrachte Bitte wiederhole ich noch einmal schriftlich.“

Ramckes Alterssitz – Seite 2

„Ich entstamme einem alten schleswig-holsteinischen Bauerngeschlecht, das seit dem 15. Jahrhundert auf ein und demselben Erbhof, dem Vollmachthof in Ellerbek, Kreis Pinneberg, ansässig war. Mein Vater ist als drittgeborener Sohn Soldat und Beamter geworden. Unter neun Geschwistern aufgewachsen, habe ich mir meinen Lebensweg allein schaffen müssen. Ich habe sechs gesunde Kinder (fünf Jungen und ein Mädchen) im Alter von 2–13 Jahren. Mein fester Wille ist es, mich in den neuerworbenen Gebieten anzusiedeln, um meine Familie, entsprechend ihrer Herkunft, auf die Scholle zu bringen.“

„Dieserhalb habe ich bei dem Stabshauptamt die nötigen Schritte eingeleitet. Ein Gesuch um vorzeitige Ausstellung eines Ansiedlungsscheines mit den dazu erforderlichen Unterlagen ist in Bearbeitung.“

„Für eine wohlwollende Berücksichtigung dieses Gesuches wäre ich besonders dankbar.“

„Indem ich Ihnen, Reichsführer, für das begonnene neue Jahr eine rechte Gesundheit für die Bewältigung Ihrer verantwortlichen und schweren Aufgabe wünsche, bin ich mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung und Heil Hitler Ihr ergebener Ramcke.“

Himmler, der für seine „verantwortungsvollen“ Verbrechen damals in der Tat eine rechte Gesundheit nötig hatte, antwortete von seiner „Feldkommandostelle“ aus schon am 31. Januar 1943:

Einschreiben

1. Generalleutnant Ramcke,

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z., Zt. Res.-Laz. 118 a Berlin-Grunewald

„Lieber Kamerad Ramcke!“

„Ihren Brief vom 15. 1. 1943 habe ich erhalten. Wie ich Ihnen bei Ihrer Meldung im Führerhauptquartier bereits zwischen Tür und Angel gesagt habe, kann ich Sie und Ihre Jungen alle für die Siedlung brauchen.“

„Sie können überzeugt sein, daß im Frieden, sobald Sie sich der Siedlung widmen können, alles nach Ihren Wünschen gehen wird.“

„Freundliche Grüße und Heil Hitler Ihr H. Himmler.“

2. An SS-Gruppenführer Greifelt, Stabshauptamt, Berlin.

durchschriftlich mit der Abschrift des Schreibens Generalleutnants Ramcke und der Bitte um Kenntnisnahme übersandt.

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i. A. (unleserliche Unterschrift)

SS-Hauptsturmführer

Sorgfältige Bürokratie, wie sie sogar die Verwaltung der Vernichtungslager auszeichnete, die damals mithalfen, den nötigen Lebensraum für deutsche Siedler frei zu machen, war selbstverständlich im Stabshauptamt in Berlin. So steht denn am Ende des Briefes ordentlich der Aktenvermerk: Wiedervorlegen nach dem Kriege.“