r. g., Neustadt im Schwarzwald

Alte Schwarzwaldhöfe, womöglich mit Stroh gedeckt, sind das Entzücken der Erholungsgäste, nicht immer jedoch der Besitzer. Mancher dieser Höfe steht unter Denkmalschutz, und die alte Zimmermannsarbeit oder das mächtige Walmdach zu erhalten, kostet Geld. Die rußgeschwärzte Küche dient in solchen Häusern nicht mehr zum Kochen; denn Elektroherd und Kühlschrank darin wären stilwidrig. Arbeitsparende Maschinen und die Umstellung auf die betriebswirtschaftlich günstigste Organisation würden bauliche Veränderungen erfordern. Für ein Museum brauchbar, aber nicht für moderne Landwirtschaft – so lautet das Urteil über die alten Schwarzwaldhöfe.

Was aber soll man tun, wenn ein solcher Hof baufällig ist? Ihn aufbauen, wie er früher war oder ihn neu und zweckmäßig einrichten? Darüber wird seit langem diskutiert, und am Baugesuch eines Bauern in St. Märgen im Kreis Hochschwarzwald, der seinen baufälligen Hof durch einen Neubau ersetzen will, entzündete sich der Streit von neuem. Der Bauer hatte die Form eines von der „Badischen Landsiedlung“ entworfenen Aussiedlerhofes gewählt; dieser Typ, der im Gegensatz zum Schwarzwaldhof aus mehreren Häusern besteht, ist verschiedentlich im Lande zu sehen. Als aber die Absicht publik wurde, ein solches zeitgenössisch nüchternes Bauwerk mit flachen Dächern und Well-Kunststoffplatten im Hochschwarzwald zu errichten, erhob sich unter den Heimatfreunden ein Sturm der Entrüstung.

Die Heimatpfleger und die Rationalisierungsexperten gerieten sich in die Haare, und es bedurfte des baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Leibfried, um diesen Streit mit einem salomonischen Urteil zu schlichten. Der Minister, selbst ein nach Rationalisierung strebender Landwirt, hat nach einer Besichtigungsfahrt entschieden, daß der typische Schwarzwaldhof erhalten werden, müsse. Aus den landschaftsgeschützten Teilen des Schwarzwalds ist daher das sogenannte „Mehrdach-Gehöft“ verbannt worden. Freilich hat es der Landwirtschaftsminister nicht mit dem glatten Nein bewenden lassen, sondern selbst einen Entwurf präsentiert.

Dieser „einzige schwarzwaldgeeignete Entwurf“ hält sich äußerlich eng an das klassische Schwarzwaldhaus mit dem mächtigen Dach, unter dem Wohnung, Stall und Scheune Platz finden, berücksichtigt jedoch im Innern die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse der Gegenwart. Überdies sind auf Wunsch des Landwirtschaftsministers im Dachgeschoß drei Zweibettzimmer für Feriengäste untergebracht.

Allerdings ist dieser Hof um 40 000 Mark teurer als das Mehrdach-Gehöft der Badischen Landsiedlung; diesen Betrag soll jedoch das Landwirtschafts- oder das Kultusministerium zuschießen.

In Stuttgart läßt man sich die Schwarzwälder Tradition etwas kosten.