„Ich senke mein Haupt voller Scham“

Öffentliche Selbstkritiken sind in den Zeitungen des Ostblocks heute nichts Besonderes mehr. Parteifunktionäre, Staatsbeamte und Wirtschaftsfunktionäre nehmen bereitwillig jederlei Schuld auf sich, nur um die Unfehlbarkeit der Partei nicht in Frage zu stellen. Den chinesischen Kommunisten blieb jedoch vorbehalten, diesen bereits üblichen Selbstkritiken eine außergewöhnliche hinzuzufügen: die Selbstkritik eines früheren Kaisers.

Vor 30 Jahren hatte die damalige japanische Regierung die Mandschurei angegriffen, in kurzer Zeit besetzt und im März 1932 auf dem Territorium der Mandschurei den Staat „Mandschukuo“ geschaffen. Als Aushängeschild wurden in verschiedene Positionen Chinesen eingesetzt und an die Spitze des Staates wurde Aisin Ghiorroh Puyi als Kaiser von Mandschukuo berufen.

Anläßlich der 30. Wiederkehr der damaligen Ereignisse veröffentlichte „Peking Review“ einen selbstkritisch gehaltenen Artikel des Ex-Kaisers Puyi.

Puyi begann seinen Artikel mit einem Dank an die chinesischen Kommunisten: „Ich danke der chinesischen Kommunistischen Partei, der Volkssregierung und meinen Mitbürgern für die Nachsicht, mit der sie mich behandelten, mich umerzogen und umgeformt haben.“ Die Erinnerung an die damalige Zeit erfülle ihn mit schweren Schmerzen. „Ich senke mein Haupt voller Scham und erinnere mich an meine vergangenen Missetaten, mit denen ich mein Mutterland verraten habe.“ Der Ex-Kaiser berichtet, er sei im Herbst 1931 aus Tientsin in die nordöstlichen, von Japanern besetzten Gebiete gekommen und nach der Gründung des Staates Mandschukuo im März 1932 zuerst zum Staatschef und später, am 1. März 1934, zum Kaiser ernannt worden. Die Chinesen, so erklärte der ehemalige Kaiser jetzt, seien nur als Puppen benutzt worden. Man übergab ihnen die repräsentativen Funktionen, während die jeweiligen Stellvertreter, die in Wirklichkeit die Macht ausübten, Japaner waren – übrigens eine Taktik, die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in gleicher Weise von den Kommunisten in Osteuropa angewandt wurde.

Über seinen eigenen Lebenslauf nach dem Zusammenbruch Mandschukuos schwieg sich der ehemalige Kaiser aus. Er erwähnte lediglich, er habe sich eine Zeitlang in sowjetischer Gefangenschaft befunden, Puyi beendet seinen Bericht – wie zu erwarten – mit einem Bekenntnis zum kommunistischen China: „Der Ostwind hat sich gegenüber dem Westwind durchgesetzt, und die Kräfte des Volkes haben über die imperialistischen Kräfte gesiegt.“ L.