Der Rauchpilz der sowjetischen Superbombe von Nowaja Semlja hat für alle Welt ein Zeichen gesetzt. Auch die ferventesten Neutralen werden hinfort wohl kaum noch glauben, daß der Diktator im Kreml für gutes Zureden empfänglich sei – ja, sie werden, wenn von Nikita Chruschtschow die Rede ist, nicht einmal mehr das mahnende Wort vom „Gewissen“ benutzen können. Zu deutlich, zu brutal in seiner Unmißverständlichkeit hat er durch die Test-Explosion auf der Eismeerinsel zu erkennen gegeben, daß ihn die sogenannte Weltmeinung nicht schert. Für ihn gilt allein das Gesetz eiskalter Machtpolitik.

Während die infernalische Wolke mit den radioaktiven Ausschüttungen um den Erdball zieht, während der Kreml-Herr nach wohlbekannter Diktatorenmanier behauptet, diese Versuche seien ihm vom aggressiven Westen „aufgezwungen“ worden, beginnt in allen Ländern die Einsicht zu wachsen, welches politische Spiel Chruschtschow nun begonnen hat. So schrieb die liberale Stockholmer Zeitung „Dagens Nyheter“: „Die Versuche haben sich zu einem Mittel des Terrors entwickelt, mit dem die vielen kleinen Nationen zum Schweigen gebracht werden sollen, während die Sowjetunion eine Ausweitung ihrer Positionen vorbereitet

Folgendes schien ihr recht zu geben: Etwa zur gleichen Stunde, da die Zeitung an den schwedischen Kiosken erschien, wurde der Moskauer Botschafter des Nachbarlandes Finnland ins sowjetische Außenministerium gerufen. Man hielt dort eine Note für ihn bereit... H. G.