Für den Wertpapieranleger ist es stets aufschlußreich zu ergründen, wie sich die Investment-Fonds in der Vergangenheit verhalten haben. Die Marschroute ihrer Anlagepolitik wird von erfahrenen Fachleuten bestimmt. Das bietet zwar keine Garantie gegen Verluste, aber man kann unterstellen, daß sie bei den Fonds noch größer geworden wären, wenn man nicht rechtzeitig Porten feuille-Umstellungen vorgenommen hätte. Per 30. September hat der Unifonds (er wird getragen von den Volksbanken und einer Reihe angesehener Privatbanken) seinen Geschäftsbericht für 1960/61 vorgelegt.

Zunächst das Ergebnis: Je Anteil werden 2,50 DM ausgeschüttet. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Erhöhung von 7 vH. Damals wurden je Anteil 7 DM ausgeschüttet, in der Zwischenzeit ist ein Split 1 : 2 erfolgt. Ein damaliger Anteil entspricht also jetzt dem Wert von drei neuen Zertifikaten. Der Ausgabepreis der Zertifikate hat sich wie folgt entwickelt (unter Berücksichtigung des Splits): 53,07 DM am 30. Sept. 1960, 42,10 DM am 29. Sept. 1961 und 44,60 DM am 27. Okt. 1961. Innerhalb des Berichtsjahres ist also ein Rückgang von mehrmals 20 vH eingetreten. Einen Monat später waren es nur noch 14 vH. Dieser schnelle Wandel zeigt, wie rasch sich an der Börse die Situation ändert und daß der langfristige Anleger – und nur der sollte sich mit dem Erwerb von Investment-Zertifikaten beschäftigen – keinen Grund zur Unruhe hat, wenn es einmal Rückschläge gibt.

Der Kursrückgang auf den deutschen Aktienmärkten hat beim Unifonds zu einer Verringerung des Fonds-Vermögens auf 170,4 (170,8) Mill. DM geführt. Und das, obwohl sich der Anteilumlauf in der gleichen Zeit um 26 vH auf 4,26 Millionen Stück erhöhte. Im übrigen liegt der Unifonds mit seinem Umlaufszuwachs genau auf dem Bundesdurchschnitt. Dieses Absatzergebnis ist – und das verdient hervorgehoben zu werden – in einem Jahr erzielt worden, in dem das Kontensparen im Vergleich zu den gewachsenen Monatseinkommen zurückgeblieben ist und in dem viele Sparer von der Möglichkeit Gebrauch machten, Volkswagen-Aktien zu erwerben. Das stimmt die Fonds natürlich besonders froh, denn ihre Weiterentwicklung hängt im wesentlichen davon ab, inwieweit es gelingen wird, die Kontensparer davon zu überzeugen, daß das Investment-Sparen auf die Dauer nutzbringender ist.

Ein Faktor in diesem Wettbewerb ist die Jahresausschüttung. Alle Fonds sind bestrebt, sie so zu gestalten, daß sie im Vergleich zum Sparkassenzins eine bessere Rendite sichtbar werden lassen. Sehen wir uns, meine verehrten Leser, unter diesem Aspekt die Unifonds-Ausschüttung an, so kommen wir bei einem Ausgabepreis je Anteil am 29.9.1961 von 42,10 DM und einer Ausschüttung von 2,50 DM auf eine Rendite von fast 6 vH. Das ist mehr als jedes Sparbuch einbringt, wobei man gerechterweise jedoch auch nicht verschweigen sollte, daß der Unifonds-Sparer gleichzeitig einen Buchverlust von 20 vH hinnehmen mußte, was beim Kontensparen niemals eintritt. Hier hat man sich lediglich mit dem Kaufkraftschwund der DM auseinanderzusetzen, der bislang jährlich jedoch kaum mehr als 3 vH betrug.

Der Rückgang des Unifonds-Ausgabepreises um die bereits erwähnten 20 vH dürfte vergleichsweise sehr hoch sein. Der Unifonds hatte in der Vergangenheit sehr stark Spitzenpapiere (Kaufhäuser, Maschinenbauaktien usw.) in sein Portefeuille aufgenommen, die sich in der zurückliegenden Krise vom Kurs her als besonders anfällig erwiesen haben. Wahrscheinlich ist das aber kein Grund zur Beunruhigung, denn gerade diese Papiere pflegen sich meist rasch zu erholen. Hinzu kommt, daß sie als „krisensicher“ zu gelten haben, also ihre Bewährung erst auf lange Sicht bringen.

Ehe wir uns, meine verehrten Leser, näher mit dem Portefeuille selbst befassen, noch ein Wort zu der Zusammensetzung des Ausschüttungsbetrages. Hier bahnt sich eine allmähliche Verschiebung an, die man als gesund bezeichnen kann. Sie wissen, meine verehrten Leser, aus früheren Gesprächen, daß man bei Investment-Ausschüttungen schwerlich von einer echten Rerdite sprechen kann, weil ja nicht nur angefallene Zinsen und Dividenden anteilmäßig verteilt werden, sondern auch realisierte Kursgewinne und nicht benutzte Bezugsrechte. Streng genommen wird also mit jeder Ausschüttung eine Teilrückzahlung der Substanz vorgenommen. Die Bezugsrechterlöse sowie die realisierten Kursgewinne dienen zur Auffrischung der Ausschüttung auf die gewünschte Höhe. Je höher der Anteil der Zinsen und Dividenden an der Ausschüttung, um so „echter“ ist sie. Denn dann rentiert sich das Portefeuille gut. Beim Unifonds setzen sich die Einnahmen wie folgt zusammen:

Die Anlagen des Unifonds wurden im Berichtsjahr etwas umgeschichtet. Dabei vergrößerte sich der Anteil der Elektroindustrie am Fondsvermögen (siehe Tabelle). Auch Versorgungswerte nehmen jetzt einen bevorzugten Platz ein, zweifellos eine richtige Entscheidung, denn gerade diese Papiere haben sich in letzter Zeit besonders kräftig erholt. Bei den Versorgungswerten stehen RWE-Aktien an erster Stelle. Zukunftsträchtige Papiere! Dagegen fehlen HEW-Aktien völlig im Portefeuille. Die leidige Dividendenaffäre vor einigen Jahren, als der Großaktionär, die Hansestadt Hamburg, glaubte, die Dividende aus politischen Gründen willkürlich senken zu können, hat die HEW-Aktien vielfach um den Ruf gebracht, „investment-würdig“ zu sein.