Der Sechsprozenter, lautstark vorgestellt und hier und da bereits freudig begrüßt, muß nun doch auf seine Wiederkehr warten: Die Emissionspause am Rentenmarkt wurde verlängert. Der Anleihebedarf so potenter Schuldner wie der Bundesbahn und der Bundespost wird vermutlich auf „neue Rechnung“ in das Jahr 1962 übernommen. Auch die BP Benzin und Petroleum, die nach einer mehr als dreimonatigen Pause als erster an den Start gehen wollte, hat sich – nach gelindem Druck – zurückgezogen. Für den Rest dieses Jahres kann der Rentenmarkt somit in jener stillen, gelegentlich etwas unruhigen Stimmung verharren, die ihn bereits in den letzten Wochen und Monaten „auszeichnete“.

Daß der Versuch, den Anleihemarkt mit dem Sechsprozenter wieder funktionsfähig zu machen, vorzeitig eingestellt wurde, wird nicht überall Beifall finden. Schon gar nicht dort, wo der langfristige Kreditbedarf zum Teil bereits jetzt kurzfristig vorfinanziert wurde. Ganz davon abgesehen, daß mit der Verlängerung der Emissionspause die Orientierung am Kapitalmarkt weiterhin schwerfällt, ein Umstand, der dem Schuldscheingeschäft zu umgekehrter Blüte verhalf. Aber es gibt auch andere, ihrem Gewicht nach entscheidende Stimmen. Sie sehen im Sechsprozenter eine Hürde, die die Rückkehr zu einem niedrigeren, international konkurrenzfähigen Zins erschweren muß. Eine Auffassung, die sichauch der Kapitalmarktausschuß des Bankgewerbes zu eigen machte. Kurzum: man will nicht den Sechsprozenter, weil man auf die Rückkehr des 5 1/2- oder gar 5prozentigen Kapitalmarktzinses setzt.

Das klärt immerhin die Situation, und zwar auf beiden Seiten des Marktes. Anleger und Schuldner wissen, was sie erwarten können. Vorausgesetzt freilich, daß die Verlängerung der Emissionspause das hält, was sich die Optimisten davon versprechen. Vorerst haben die Pfandbriefinstitute nämlich noch allergrößte Mühe, die allgemein wenig beliebten 5 1/2prozentigen Papiere an den Mann zu bringen. Um so mehr sind die Sechsprozenter gefragt. Hier müssen sich die Realkreditinstitute allerdings ihrerseits stark zurückhalten, da auf dieser Basis das Darlehensgeschäft weitgehend fehlt. Da jetzt jedoch nicht mehr mit der Konkurrenz anderer Emittenten gerechnet werden muß, dürften die Chancen für die Placierung 5 1/2prozentiger Pfandbriefe wieder wachsen. Dies auch schon deshalb, weil die Pfandbriefinstitute mit dem saisonalen Abklingen der Darlehensnachfrage (die Wohnungsbaufinanzierung 1961 ist praktisch abgeschlossen) bei Neuemissionen ohnehin kürzertreten können. Auch das dürfte die Rückkehr eines niedrigeren Kapitalzinses begünstigen. lz