K. M., Rabat

Die Studenten kamen aus Ghana und aus der Bundesrepublik, aus dem Kongo und aus der Schweiz, aus der DDR und aus Frankreich. Sie trafen sich kürzlich zum Gründungskongreß des „Verbandes der Studenten des schwarzen Afrika unter portugiesischer Kolonialherrschaft“ (U.G.E.A.N.) in Rabat. In ihrer Heimat – in Angola, Mocambique, Portugiesisch-Guinea, Sao Thome und auf den Kapverdischen Inseln – können sie nicht studieren, weil es in keiner portugiesischen Kolonie eine Hochschule gibt. Die wenigen Studenten, die in Lissabon versuchten zu studieren, sind in diesem Jahr zum größten Teil ins Ausland geflohen, weil sie es in Portugal nicht mehr aushielten.

Ein Studentenkongreß! Ja, aber damit ist die Bedeutung dieses Kongresses nicht erschöpft. Eine Beschränkung auf „rein studentische Fragen“, wie sie von einigen westeuropäischen Studentenverbänden gepflegt wird, ist den Afrikanern fremd. Sie fühlen sich vor allem und zuerst der Befreiungsbewegung ihrer Völker verpflichtet.

Diese nationale Befreiungsbewegung beschränkt sich einstweilen ausschließlich auf Angola, sie ist militärisch schlecht organisiert und politisch in zwei rivalisierende Organisationen aufgespalten: die U. P. A. (Union der Völker Angolas) und die M.P.L. A. (Volksbewegung für die Befreiung Angolas). Die Differenzen sind schwer zu fassen: die U. P. A. genießt als Trägerin der bisherigen Kämpfe in Angola die Unterstützung vieler afrikanischer Staaten und findet in der Negerbevölkerung Zulauf, während sich die M. P. L.A. vorwiegend aus portugiesischen Mischlingen rekrutiert und von ihren Gegnern als ostblockfreundlich bezeichnet wird. Unter den Studenten hat zweifellos die M. P. L. A. mehr Anhänger. In Rabat waren sich die Vertreter beider Richtungen wenigstens nach außen hin einig. Die Leiter dieser neuen Organisation scheinen gewillt zu sein, Hilfe von allen Seiten anzunehmen. Sie wollen sowohl dem in Prag ansässigen „Internationalen Studentenbund“ wie auch der nichtkommunistischen „Internationalen Studentenkonferenz“ beitreten.

Zwei Vorstandsmitglieder des neuen Verbandes der Studenten aus den portugiesischen Kolonien studieren bereits in Westdeutschland. Vertreter des Verbandes Deutscher Studenten, die als Beobachter in Rabat waren, stellten ihren portugiesischen Studentenkollegen zehn Stipendien in der Bundesrepublik zur Verfügung.