H. W., Ahrensburg

In der Bundesrepublik gibt es Leute, die meinen, zur Ausstattung eines gewitzten Politikers gehöre auch ein Tonbandgerät. Wer dies glaubt, kann sich immerhin auf große Vorbilder in Bonn berufen. Ob der Bürgervorsteher in Ahrensburg sich Bonner Sitten als Beispiel nahm, ist unbekannt; sicher ist nur soviel: Als die Ahrensburger Stadtverordneten schon den dritten Punkt ihrer Tagesordnung hinter sich gebracht hatten, entdeckten sie plötzlich, daß in ihrem Sitzungssaal ein Tonbandgerät aufgestellt war. Zwar war es noch ausgeschaltet, aber es stand da, unheilverkündend und furchterweckend.

Einer der Stadtverordneten stellte darauf den Bürgervorsteher zur Rede. Dieser aber antwortete unbefangen, das Gerät solle nur dann eingeschaltet werden, wenn die Protokollführerin bei turbulenter Debatte mit dem Stenogramm nicht mitkäme. Damit waren die Stadtverordneten aber keineswegs einverstanden. Einer von ihnen, der CDU-Mann Schadendorff, machte sich zum Wortführer der Stadtverordneten und erklärte, ein Tonbandgerät aufzustellen, sei der parlamentarischen Tätigkeit eines Stadtverordneten unwürdig. Er jedenfalls fühle sich dadurch in seiner Redefreiheit gehemmt, auch dann, wenn es „nur“ bei turbulenter Debatte eingeschaltet werde. Gerade in einer turbulenten Debatte werde nicht jedes Wort auf die Waagschale gelegt. Jeder könne sich dabei einmal versprechen. Unter keinen Umständen, meinte der erzürnte Kommunalpolitiker, dürften willkürlich Ausschnitte aus der Debatte aufgenommen werden.

Des Bürgermeisters Stellvertreter indes versuchte seine Kollegen zu beschwichtigen. Der Einschaltknopf werde von einem Stadtamtmann bedient, und damit sei, so erklärte er im Brustton der Überzeugung, die Gewähr gegeben, daß kein Mißbrauch mit dem Apparat getrieben werde. Ob mit Stadtamtmann oder ohne – die Ahrensburger waren sich einig: Das Gerät muß ausgeschaltet bleiben.

Einer technisch unerfahrenen weiblichen Abgeordneten des Stadtparlaments indes hatte man, als sie gefragt hatte, was das für ein Gerät sei, vor der Sitzung erklärt: „Das ist eine Schreibmaschine.“