Blick auf 1964 – Hat der Herausforderer Chancen? – Schon heute: Republikaner im Weißen Haus – Hexenjagd der Extremisten

In diesen Novembertagen ist es ein Jahr her, daß die amerikanische Nation, aufgefordert, einen neuen Präsidenten zu wählen, den jugendlichen Senator aus dem atlantischen Küstenstaat Massachusetts auf den Schild hob. Und drei Jahre ist es noch hin, bis John F. Kennedy sich im demokratischen Wettkampf um das höchste Amt der fünfzig Vereinigten Staaten von Amerika gegen einen republikanischen Rivalen zu behaupten haben wird. Doch beginnt schon jetzt die Jahreszahl 1964 in den Köpfen der amerikanischen Politiker zu rumoren.

Was bis dahin auch immer am Potomac oder in der weiten politischen Arena zwischen New York und San Franzisko vor sich gehen mag – die Überlegung, welche Auswirkungen eine jede Aktion möglicherweise auf die nächsten Präsidentenwahlen haben könnte, wird aus dem politischen Kalkül in der Neuen Welt von nun an nicht mehr verschwinden. Und da ist es vor allem die republikanische Partei, die Opposition, deren Kandidat im vergangenen November mit kaum mehr als 100 000 Stimmen geschlagen wurde, die beginnt, ihre Front zu formieren, die – und dies besonders deutlich seit ein paar Wochen – zum Angriff bläst.

Die Republikaner? Falsch wäre es, die amerikanische Opposition mit jener Elle zu messen, die gemeinhin an die deutschen oder etwa auch an die englischen Parteien angelegt wird. Wie denn überhaupt die beiden komplexen, in sich aufgesplitterten, ganz und gar un-ideologischen Organisationsgebilde, die in den Vereinigten Staaten jeweils um die politische Führung ringen, mit den Parteien, wie wir sie hierzulande gewohnt sind, nicht viel mehr als den Namen gemeinsam haben.

Amerikas hundert Parteien

Auf der europäischen Seite des Atlantiks ist es die Regel, daß eine politische Partei von einer Zentrale aus straff organisiert wird, daß die lokalen Verbände nicht sehr viel Gelegenheit haben, Eigenständigkeit an den Tag zu legen. Kurzum: Es gibt eine hierarchische Ordnung mit so etwas wie einer Befehls- und zugleich auch Repräsentationsspitze.

Nichts davon in Amerika. Wer glaubt, er habe es hier mit zwei, in ihrer politischen Ausrichtung einigermaßen deutlich unterscheidbaren Mammutparteien zu tun, muß sich schnell belehren lassen, daß es in Wahrheit hundert Parteien gibt. Jeder der fünfzig amerikanischen Staaten hat seine eigene demokratische und seine eigene republikanische Partei. Sie sind – besonders in den großen Städten – straff organisiert in einem Ausmaß, gegen das sich selbst die alte SPD wie ein Haufen von Individualisten ausnimmt.